Was bedeutet Kindheit in Brasilien?
Für viele Kinder in Brasilien ist Kindheit ein täglicher Balanceakt zwischen Lebensfreude und Bedrohung. Viele wachsen in Umgebungen auf, in denen Gewalt allgegenwärtig ist und Armut jede Entscheidung bestimmt. Einige müssen früh zum Familieneinkommen beitragen, andere erleben Ausgrenzung oder die ständige Angst, in einem falschen Moment am falschen Ort zu sein. Viele Kinder verlieren ihre Kindheit, bevor sie sie überhaupt erleben konnten. Und doch tragen sie eine beeindruckende Kraft in sich: Mut, Kreativität, Gemeinschaftssinn und den Wunsch, gehört zu werden.
Hier greifen unsere Partnerorganisationen und das Kinder- und Jugendforum des Netzwerks SoliVida ein: Sie bieten Schutz und schaffen sichere Entfaltungsräume, in denen Kinder Persönlichkeit entwickeln, Gemeinschaft erfahren, berufliche Perspektiven entdecken und lernen, ihre Welt aktiv mitzugestalten. Von unseren 32 Partnerorganisationen arbeiten 23 Organisationen direkt mit über 4000 Kindern und Jugendlichen. Im Folgenden möchten wir einige Beispiele zeigen, wie diese Arbeit in ganz verschiedenen Lebensgeschichten wirkt.
"Nur wenn Kinder ihre Rechte kennen, können sie diese einfordern."
- Pater Beda
In diesem Video berichtet Evanildo als ehemaliger Teilnehmer von Verde Vida (Grünes Leben) über seine Zeit als Kind und Jugendlicher in der Organisation. Verde Vida ist ein Kinder und Jugendprojekt und liegt in Catingueira – im weiten Hinterland von Crato. Das 1994 gründete Projekt „Verde Vida“ bietet heute Kindern und Jugendlichen aus dem Umland von Ponta da Serra ein Bildungs-, Freizeit- und Kulturprogramm, ohne dessen Angebot ihnen der Zugang zu außerschulischen Bildungsangeboten komplett verwehrt würden. Angeboten werden von einem besonderen Leseprogramm für Grundschüler über ein Informatikkurs für den Besuch weiterführender Schulen auch Kurse für das Erlernen von Musikinstrumenten und Tänzen. Kinder und Jugendliche lernen neue Fähigkeiten und entwickeln Träume und neue Perspektiven. Was das konkret bedeutet erfahrt ihr im Video:
Seit über 40 Jahren gibt es die Turma do Flau in der Millionenmetropole Recife im sozialbenachteiligten Stadtteil Brasilia Teimosa. Recife gehört zu den gefährlichsten Städten weltweit, die Kriminalität ist vor allem in den Armenvierteln sehr hoch. Kinder und Jugendliche werden von Drogenbanden angeheuert, viele geraten zwischen die Fronten der rivalisierenden Drogenbanden. In der Turma do Flau können Kinder und Jugendliche an Bildungsangeboten teilnehmen und in gemeinschaftlichen Aktivitäten werden ihnen alternative Lebensentwürfe vermittelt. Das ist notwendig, weil sie in der brasilianischen Gesellschaft oft übersehen werden. Ziel der Arbeit ist es, dass die Kinder ihre eigene Würde erfahren, Gemeinschaft kennenlernen und so ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Über die Jahre haben tausende Kinder dort die Chance erhalten neue Lebensperspektiven zu kennenzulernen. Einer davon ist Edvaldo, der in diesem Video berichtet, was die Turma do Flau für ihn bedeutet.
„Wir schaffen sichere Orte, an denen Kinder wachsen können – in ihrer Stärke, ihrer Gemeinschaft und ihrer Fähigkeit, die Zukunft mitzugestalten.“
- Sr. Henriqueta, Präsidentin des Netzwerks SoliVida
Das Kinder- und Jugendforum wurde vom Netzwerk SoliVida gegründet. In diesem Netzwerk haben sich 32 Organisationen aus acht verschiedenen Bundesstaaten vereint, um gemeinsam Lobbyarbeit zu machen und sich für Menschenrechte einzusetzen. Das Kinder- und Jugendforum hat das Ziel die Stimme der Kinder- und Jugendlich zu stärken. Dort kommen Kinder und Jugendliche aus Stadt und Land zusammen, um über das zu sprechen, was sie bewegt. Viele von ihnen wachsen unter schwierigen Bedingungen auf – in Armut, im Umfeld von Gewalt, mit Bildungsbarrieren oder ohne sichere Orte und verlässliche Bindung. Hier teilen sie ihre Träume, ihre Sorgen und ihre Hoffnungen. Sie lernen, ihre Rechte zu kennen und einzufordern. So entsteht Schritt für Schritt eine Generation, die mutig ist, kritisch denkt und Verantwortung übernimmt. Viele Kinder im Forum sprechen über Dinge, die kein Kind erleben sollte: Angst vor Gewalt, Unsicherheit auf dem Schulweg, das tägliche Ringen um Schutz und Würde.
Das Kinder- und Jugendforum zeigt, wie viel Mut und Klarheit in Kindern steckt. SoliVida begleitet sie dabei, ihre Rechte sichtbar zu machen - auch gegenüber lokalen, regionalen und nationalen Verantwortlichen. Wenn Kinder eine Stimme bekommen, verändern sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern die Welt um sich herum.
Unsere Partnerorganisation AFG in Cabedelo hat als Kinder- und Jugendinstitution ein Projekt zu den Menschenrechten durchgeführt. Über zwei Monate wurden verschiedenste Angebote zu einzelnen Rechten gemeinsam unter die Lupe genommen. Mehr dazu.
Unsere Partnerorganisation hat ACRA ( Associação Cultural Raízes e Asas) hat ein Grundstück von der Stadt Campo Formoso erhalten. In einem Brief berichten sie über diese guten Nachrichten und bedanken sich bei euch. Mehr dazu.
Ausdruck der Freiheit: Wenn Kunst zur Stimme und zum Widerstand wird . Die Mädchenorganisation Casa Menina Mulher nahm an einer Kunstaustellung in Recife teil. Mehr dazu.