Cidade da Criança – das Kinderdorf in der Stadt Simões Filho im Bundesstaat Bahía im brasilianischen Nordosten

 

Brasilien. Ein lebendiges Land voller Kontraste und Gegensätze. Wenn wir Brasilien hören, denken wir vielleicht an Karneval und Samba, an Fußball und die WM 2014 oder an die Armenviertel am Rande der großen Städte, die sogenannten Favelas. Vielleicht denken wir auch an die Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet, an tropisches Wetter, an exotische Pflanzen, Klänge und Farben oder an wachsende Wirtschaftszahlen.

Im 5. größten Land der Erde leben Menschen indianischer, afrikanischer und europäischer Abstammung in sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen und sozialen Strukturen zusammen. Speziell die Großregion Nordosten gilt als eine der ärmsten Regionen Brasiliens und wird oft als das Armenhaus Brasiliens bezeichnet. Hier fehlt es insbesondere an Infrastruktur, Bildungseinrichtungen und gesundheitlicher Versorgung. Die Perspektivlosigkeit treibt die Bewohner des Nordostens, die Nordestinos, in die großen Städte an der Küste oder in die Mega-Metropolen im Süden des Landes, wo sie die Kriminalität und die große Armut in den Elendsvierteln an den Rändern der Städte erwartet. Ein Bild Brasiliens das zwischen all der bunten Vielfalt häufig untergeht.

 

Eine Zukunftswerkstatt für ein bewusst gestaltetes Zusammenleben von Mensch und Natur.

Ein berühmter Ausspruch in Brasilien besagt: „ O Brasil é o pais do futuro … e sempre será!“ – Brasilien ist das Land der Zukunft ... und wird es immer bleiben! Anstatt die Zukunft Brasiliens in wirtschaftlichem Wachstum und wachsender Industrie zu suchen, sieht das Projekt Cidade da Criança die Zukunft Brasiliens in den Kindern und Jugendlichen in Simões Filho. Hier wird tatkräftig und Tag für Tag in die brasilianische Zukunft investiert!

 

Das Kinderdorf Cidade da Criança liegt etwa 30 km von der Hauptstadt Bahias, Salvador, entfernt und bietet Kindern und Jugendlichen aus ärmsten Verhältnissen nicht nur einen Ort fernab von Gewalt, Kriminalität, Hunger, Drogen, Missbrauch und Perspektivlosigkeit sondern auch die Möglichkeit, ein würdiges Leben zu erfahren und sich in einer sicheren Gemeinschaft entwickeln zu können mit Menschen, die sich für Ihre Situation interessieren und die helfen können, Zukunft zu schaffen. Über 200 Kinder und Jugendliche im Alter von 6-15 Jahren können hier ihren Durst nach Wissen und Bildung stillen. Aktivitäten in den Bereichen Sport, Kultur und Kunst wie z.B. Fußball, Schwimmen, Tanz, Kunsthandwerk, Musik und Theater geben den Kindern die Möglichkeit, eigene Talente zu entdecken und ihre Persönlichkeit zu entfalten. Auf spielerische Art und Weise werden soziale und emotionale Kompetenzen vermittelt und pädagogisch betreut. Die Integration in eine stabile Gemeinschaft und die Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen schaffen Grundvoraussetzungen für eine positive Entwicklung. Oft ist es die erste Generation, die solche Förderung erfährt.

Gesundheitshelferin mit der Leiterin Ivonita Alves
Gesundheitshelferin mit der Leiterin Ivonita Alves

Zudem erhalten jährlich über 1.000 Jugendliche aus den Elendsvierteln die Möglichkeit, an berufsvorbereitende Kurse mit allgemeiner Schulbildung und kultureller und sportlicher Förderung teilnehmen zu können. Das ist ein Programm der umliegenden Industriebetriebe, das in Zusammenarbeit mit der "Cidade da Criança" den jungen Menschen den Start in ein Berufsleben ermöglicht. Erst durch diese Förderung werden sie in die Lage versetzt, an den praktischen Berufskursen teilhaben zu können. Der Regelunterricht in den staatlichen Schulen reicht dafür nicht aus. Und auch deshalb sind die jungen Menschen in Brasilien im Mai und Juni des Jahres auf die Straßen gegangen. Ein Protest gegen Korruption und für mehr Bildungschancen für alle.

 

Die Zahl der Begünstigten bei den berufsbildenden Maßnahmen liegt sehr stark an finanziellen Kooperationen mit der örtlichen Wirtschaft und der Spenden von Partnern aus dem Ausland. Es werden Kurse in Gartenbau, Vieh- und Fischzucht, Bäckerei und Konditorei, Industrieküche und Informatik angeboten.

 

In diesen Tagen gab es eine öffentliche Anhörung im Stadtrat der 120.000 Einwohner großen Stadt Simoes Filho. Dabei ging es um die Neuansiedlung eines großen Industriekomplexes. Die Menschen diskutierten über die ökologischen Folgen, aber auch über die Chancen auf neue Arbeitsplätze, 4.000 sollen es werden. Gleichzeitig verweist man mit großer Sorge auf die mangelnde Ausbildung der Bevölkerung vor Ort, um den Anforderungen der Industrie gerecht zu werden. Während der Sitzung wird die Leiterin vom Kinderdorf, Frau Ivonita Alves begrüßt und ihr Einsatz für die berufliche Förderung der jungen Menschen von Simoes Filho hervorgehoben. Am Folgetag kam der Vorsitzende des Stadtrates von Simoes Filho ins Projekt und plante mit Ivonita konkrete Möglichkeiten der Ausweitung der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Ivonita ist aber stets besorgt den Charakter und die Identität des Projektes beizubehalten. Trotzdem sind Kooperationen notwendig, damit etwas für die Zukunft der jungen Menschen Simoes Filho gemacht werden kann.

 

Die Cidade da Criança wurde 1983 gegründet und hat sich seither mit den sich verändernden Lebensrealitäten weiterentwickelt, früher ein reines Kinderdorf hin zum heutigen Kinder- und Jugendförderprojekt. Die Arbeit des Projekts wird nicht nur von der Stadtverwaltung, der Pfarrei und lokalen Betrieben unterstützt sondern findet auch im Ausland Freunde und Befürworter. So unterstützt und begleitet der Aktionskreis Pater Beda für Entwicklungsarbeit e.V. das Kinderdorf schon seit diesen 30 Jahren. Helfen Sie mit, damit wir den jungen Leuten eine nachhaltige Perspektive vermitteln können.

 

Und hier noch einige Fotos zum Projektumfeld.

Woher kommen die Kinder und Jugendlichen, die die Förderung erfahren?