Am 08. März ist der internationale Weltfrauentag. In Brasilien wird daraus ein ganzer Monat für mehr Frauengerechtigkeit. Der März ist „Mês da Mulher“ – Frauenmonat! In Deutschland ging es aufgrund aktueller Ereignisse in den letzten Wochen um strengere Gesetze zum Schutz von Frauen vor Gewalt, insbesondere online. In Brasilien ist im März die Frage nach dem Schutz und den Grundrechten der Frau verstärkt ein zentraler Bestandteil der politischen Debatte und der Arbeit unserer Partnerorganisationen im Netzwerk Solivida.
In unserer Partnerorganisation „Associação para Promoção Humana Santo Antonio“ in der Stadt Campina Grande im Bundesstaat Paraíba ist die Arbeit zur Förderung und zum Schutz von Frauen seit Beginn ein wichtiger Bestandteil. So bietet das Projekt beispielsweise Beratung für schwangere Frauen, die dort medizinisch begleitet werden – von der frühen Schwangerschaft bis zur Geburt und zum Stillen. Weitere regelmäßige Angebote für Frauen sind Kurse in Handarbeit, Kunsthandwerk und Bäckerei. Diese Kurse ermöglichen ein kleines Einkommen, stärken das Selbstwertgefühl und die Unabhängigkeit der Frauen sowie die Gemeinschaft innerhalb der Gruppe. Der Austausch untereinander schafft Vertrauen und die Möglichkeit, über persönliche Dinge zu sprechen.
Im März fokussierte die Promoção Humana daher das Thema „Femizide“ (ein Femizid beschreibt die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts). Die meisten Femizide geschehen im eigenen Haushalt und werden von (Ex-)Partnern verübt. 2024 hat Brasilien den Femizid als eigenen Straftatbestand aufgenommen und die Strafen bei Gewalt an Frauen erhöht. Der gewünschte Effekt, Frauen besser zu schützen und Gewalt einzudämmen, blieb jedoch aus. 2025 gab es 1470 registrierte Femizide – mehr als jemals zuvor. Vier Frauenleben pro Tag. Zusätzlich geht man davon aus, dass die tatsächliche Zahl weitaus höher ist, da viele Fälle nicht angezeigt werden.
Um die Frauen zu schützen, hat die Promoção Humana für die am Projekt teilnehmenden Frauen deshalb eine Beratung organisiert, wie sie sich vor Gewalt in ihren Partnerschaften schützen können. Hierzu wurde eine Expertin eingeladen, die den Frauen half, erste Anzeichen gewaltvoller Beziehungen zu erkennen und sich dagegen zu wehren. In einem weiteren Teil ging es darum, die Frauen zu ermutigen, unabhängiger zu werden, sodass sie in gewaltgeprägten Beziehungen nicht vom Partner abhängig sind. Die Angebote der Promoção Humana stärken und schützen Frauen und weisen gleichzeitig darauf hin, wie ernst die Lage und wie unmittelbar die Bedrohung für Frauen ist.
Die Aktivitäten der Promoção Humana sind nur ein Beispiel für die Aktivitäten im März von Partnerorganisationen im Netzwerk SoliVida. Das Casa Menina Mulher bietet beispielsweise Workshops an, die von den Mädchen der Organisation selbst gestaltet werden, um auf die Lage von Frauen in Brasilien aufmerksam zu machen. Diese Workshops richten sich an Mädchen und Jungen. Sie sollen beide Geschlechter bereits im Jugendalter dafür sensibilisieren, sich gegen Gewalt an Frauen einzusetzen. Ähnliche Workshops fanden in vielen Partnerorganisationen statt, die Kinder und Jugendliche als Zielgruppe haben. Viele andere Partnerorganisationen nahmen an Demonstrationen und Märschen gegen Gewalt an Frauen und für Geschlechtergerechtigkeit teil.
Auch in Deutschland nehmen Gewalt gegen Frauen und Femizide weiter zu. Unterstützungs- und Beratungsprogramme für Frauen sind dabei zentral – ihre Notwendigkeit wird jedoch in aktuellen politischen Entwicklungen erschreckenderweise in Frage gestellt.
Deshalb gilt hier, in Brasilien und überall: Lasst uns Betroffenen Glauben schenken und gemeinsam für mehr Sicherheit laut werden – nicht nur im März, sondern das ganze Jahr über.