Im Zuge unserer Kampagne zum internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft möchten wir euch Cleomar dos Santos vorstellen. Sie ist 54 Jahre alt und lebt mit anderen Familien im Acampamento Alto da Serra im Bundesstaat Paraíba. Seit drei Jahren kämpfen die Familien dort um Zugang zu Land und eine sichere Zukunft.
In Brasilien begleitet unsere Partnerorganisation Comissão Pastoral da Terra (CPT) Gurabira Familien im Kampf um Land und unterstützt sie dabei, ihre Lebensgrundlage dauerhaft zu sichern. Der Zugang zu Land bedeutet für viele Familien mehr als nur eine wirtschaftliche Grundlage: Er steht für Würde, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, eine eigene Zukunft aufzubauen.
Cleomar ist eine von unzähligen Frauen weltweit die entscheidend zur Landwirtschaft und Ernährungssicherheit beitragen. Ihre Rechte, wie z.B. der Zugang zu Land, Bildung oder politischer Mitbestimmung sind vielerorts eingeschränkt. Ihre Arbeit ist in der Öffentlichkeit oft unsichtbar. Sie machen einen Unterschied und kommen dennoch selten zu Wort.
Das möchten wir ändern und lassen Frauen in der Landwirtschaft ihre Lebensgeschichten selbst erzählen.
Wer bist du und was machst du?
„Mein Name ist Cleomar Rodrigues Liberto dos Santos. Ich bin 54 Jahre alt, verheiratet und habe vier Kinder. Ich bin Bäuerin und lebe im Acampamento Alto da Serra. Ich arbeite mit der Erde, seit ich ein Kind war, zusammen mit meinen Eltern. Ich mag die Landwirtschaft sehr – die Erde zu bearbeiten, zu pflanzen und zu ernten.“
Was bedeutet Landwirtschaft für dich?
„Landwirtin zu sein- ist ein Privileg. Für mich persönlich bedeutet Landwirtschaft die Möglichkeit, gut zu leben. Wir pflanzen, wir ernten und wir verkaufen auch an andere Familien. Davon leben wir. Es ist für mich die größte Freude, wenn der Tag beginnt und es regnet und wir hinausgehen, um zu pflanzen. Dann sehen wir später alles wachsen und können ernten. Mit der Erde zu arbeiten bedeutet eine bessere Zukunft zu schaffen. Landwirtschaft kann Armut bekämpfen. Das tun wir durch kulturelle Vielfalt, Naturschutz, Gemeinschaftsgeist, politisches Bewusstsein, vielfältige Produktion und Vermarktung der Erzeugnisse. Landwirtschaft bedeutet Hoffnung auf gesunde Lebensmittel."
Worauf bist du in deiner Arbeit besonders stolz?
„Ich bin sehr stolz darauf, Bäuerin zu sein. Ich schäme mich nicht, mit der Hacke auf der Schulter auf mein Feld zu gehen. Ich ziehe meine Stiefel an, setze meinen Hut auf und gehe mit Freude zu meinem Feld. Denn ich weiß: Wenn wir arbeiten, haben wir später etwas zu essen – für uns und auch für andere.“
Wie bist du nach Alto da Serra gekommen?
"Ich kannte dieses Land schon, weil ich hier viele Jahre gearbeitet hatte. Als ich zu einer Versammlung kam und die Menschen hier gesehen habe, habe ich mich in diesen Ort verliebt. Seitdem bin ich hier – und ich gehe nicht mehr weg.“
Welche Rolle spielen Frauen in der Landwirtschaft?
„Frauen spielen eine grundlegende Rolle in der Landwirtschaft. Sie arbeiten beim Pflanzen und Ernten, kümmern sich um die Gärten und tragen zur Vielfalt der Produktion bei. Frauen spielen eine grundlegende Rolle in der Produktion, der Ressourcenverwaltung und der Ernährungssicherheit. Sie sind vom Anbau über die Ernte bis hin zur Verwaltung der Grundstücke tätig."
Haben Frauen die gleichen Möglichkeiten in der Landwirtschaft?
„Nein. Viele sehen das, was Frauen tun, nur als Hilfe. Wir brauchen mehr Sichtbarkeit für die Arbeit der Frauen und besseren Zugang zu öffentlichen Programmen.“
Wer ist dein größtes Vorbild?
„Meine Mutter ist mein größtes Vorbild. Sie hat viel gearbeitet, die Erde bearbeitet und war immer ein fröhlicher Mensch.“
Was würdest du jungen Frauen raten?
"Mein Traum ist es - und war es immer - lesen und schreiben zu lernen. Junge Frauen sollten lesen und schreiben lernen. Und trotzdem sollten sie weiterhin auf dem Land arbeiten. Denn mit der Erde zu arbeiten bedeutet, sie zu schützen, gut zu leben und eine bessere Zukunft zu schaffen.”
Was wünschst du dir für die Zukunft?
„Ich wünsche mir, dass wir auf unserem eigenen Land arbeiten können – mit würdigen Häusern, Zugang zu Krediten und der Möglichkeit, unsere Lebensmittel zu produzieren und zu verkaufen. Mein persönlicher Traum ist es, lesen und schreiben zu lernen.“
Die Geschichte von Cleomar zeigt, warum der Zugang zu Land für Frauen so wichtig ist. Land ist nicht nur ein Ort der Produktion – es ist der Ausgangspunkt für Freiheit, Würde und Selbstbestimmung.
In den von der CPT begleiteten Gemeinden wird deutlich: Wenn Familien Zugang zu Land erhalten, entstehen neue Möglichkeiten für Frauen. Sie können stärker mitentscheiden, was angebaut wird, wie die Familie versorgt wird und wie Produkte vermarktet werden.
Für viele Frauen bedeutet das einen wichtigen Schritt aus traditionellen Abhängigkeitsverhältnissen. Sie werden nicht mehr nur als „Ehefrau von …“ wahrgenommen, sondern zunehmend als eigenständige Bäuerinnen, Organisatorinnen und Führungspersönlichkeiten in ihren Gemeinden.
Neben dem Zugang zu Land ist auch Bildung ein wichtiger Schlüssel für mehr Gleichberechtigung im ländlichen Raum.
Wie ein Samen, der aus der Erde wächst, entstehen aus diesen Kämpfen neue Möglichkeiten: Frauen organisieren sich, lernen zu lesen und schreiben und setzen sich für ihre Rechte ein. Bildung bedeutet dabei mehr als nur den eigenen Namen unterschreiben zu können. Sie hilft Frauen, Machtstrukturen zu verstehen, ihre Interessen zu vertreten und sich selbst zu behaupten.
Cleomars Wunsch, lesen und schreiben zu lernen, steht deshalb für etwas Größeres: für den Wunsch vieler Frauen auf dem Land nach Wissen, Teilhabe und Selbstbestimmung.
Uns zeigen Lebensgeschichten wie die von Cleomar, wie wichtig es ist, Frauen in der Landwirtschaft gezielt zu stärken.
Die Arbeit der CPT trägt dazu bei, dass Frauen Zugang zu Land erhalten, ihre Landwirtschaft aufbauen und ihre Rolle in den Gemeinden sichtbarer wird. Sie unterstützt Frauen dabei, ihre Stimme zu erheben, Verantwortung zu übernehmen und ihre Zukunft selbst mitzugestalten.
Cleomars Geschichte macht deutlich: Wenn Frauen in der Landwirtschaft gestärkt werden, verändert sich mehr als nur die wirtschaftliche Situation einer Familie. Es entstehen stärkere Gemeinschaften, mehr Ernährungssicherheit und neue Perspektiven für kommende Generationen von Frauen auf dem Land.
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