Ein Großteil des Nordosten Brasiliens wird durch den Sertão gebildet. Dies ist ein semiarides (halbtrockenen)  Gebiet, das regelmäßig von Dürrezeiten heimgesucht wird. Er ist aber auch berühmt wegen seines Sternenhimmels und wegen seiner eigentümlichen Volkskultur, die sich besonders in der Musica Sertaneja, wie dem Forro ausdrückt. Sehnsucht und Hoffnung auf ein besseres Leben kommen immer wieder zum Ausdruck. Denn der Sertão ist von der Armut der Menschen geprägt.

 

Armut im Nordosten Brasiliens

 

Aber nicht in erster Linie die Dürre ist für die erschreckende Armut verantwortlich, sondern die ungerechten Besitzstrukturen des Landes. Von der Kolonialzeit bis heute haben sich feudale Strukturen gehalten, die den Armen keine Aussicht auf gerechtere Verteilung gibt. Eine Folge ist die Abwanderung in die Küstenstädte des Nordostens oder in die Ballungszentren des Südens, wie São Paulo.

 

"Regen oder São Paulo" heißt ein Spruch, der die Hoffnung auf ein besseres Leben beschreibt. Der Sertão hat eine Catinga-Vegetation, die dornenbuschartig ist. Ein Rind benötigt 10 ha Land, um genügend zu fressen zu finden und die Viehbarone haben riesige Herden. Sie besitzen aber nicht nur das Vieh und das Land (viel brachliegendes Land), sondern auch die Verfügungsrechte über die Wasserstellen. Landbesitz bedeutet Einfluss und Macht.

 

Die Lebenserwartung beträgt im Nordosten 52 Jahre, 121 Kinder von 1000 sterben, bevor sie das 6. Lebensjahr erreichen! 2 von 3 Nordestinos (Leute des Nordostens) leben unter dem Existenzminimum. Nicht umsonst wird der Nordosten Brasiliens als "Heimat der Landlosen" (Adveniat) bezeichnet.