"Keine Würde im Leben und im Sterben"

 

Hilfsprojekt des Aktionskreises Pater Beda leistete mit brasilianischen Gästen Aufklärungsarbeit im Gymnasium (04.05.2004)

 

Nordhorn/pez - Sein Name steht für einen Aktionskreis, der sich insbesondere für die Straßenkinder in Brasilien einsetzt und aus dieser Region seit langem dabei unterstützt wird. Am Freitagvormittag machte der Franziskaner, der vor 42 Jahren in Brasilien zum Priester geweiht worden ist, wieder einmal Stippvisite in einer Grafschafter Schule. Die Rede ist von Pater Beda vom Kloster Bardel. Mitgebracht hatte er vier Jugendliche vom Kinder- und Jugendförderprojekt "Verde Vida" (Grünes Leben) aus der Stadt Crato im Nordosten Brasiliens, den Projektleiter Marcos Xenofonte und die Musiklehrerin und Sängerin Evania Batista. Gemeinsam gestalteten sie zweimal zwei Unterrichtsstunden für rund 350 Schüler aller siebten und achten Klassen.

Die Gruppe von Verde Vida mit Vanessa "Verde Vida" ist eines von rund 86 Förderprojekten in Brasilien, denen der Beda-Arbeitskreis partnerschaftlich verbunden ist. Dessen Hauptaufgabe ist es, den Kindern aus armen Landarbeiterfamilien dabei zu helfen, "ihren eigenen Weg zu gehen und Fähigkeiten und Begabungen entwickeln zu können".

Auf der Bühne in der Aula des Gymnasiums gaben die Brasilianer Einblicke in ihre oft bedrückende Lebenswelt mit sozialen Verwerfungen, in ihre Hoffnungen und Träume. Das geschah durch Lieder und selbst choreographierte Tänze in bunt schillernden Kostümen, vorgeführt von den 15 und 16 Jahre alten Jugendlichen Cafú, Munda, Joáo und Duca, aber auch durch Bilder des Malers und Projektleiters Marcos.

"Euch erwartet eine frohe, aber zugleich ernste Veranstaltung", hatte Beda in seiner Begrüßung gesagt. Er sollte Recht behalten. Die Darbietungen der überaus freundlichen Südamerikaner, die viel Lebensfreude widerspiegelten, wechselten ab mit Bildern eines Landes, in dem von der Kolonialzeit bis heute Unterdrückung und Gewalt herrschen. Bedas Dia-Vortrag war eine Anklage und ein Aufruf zugleich. Viele Fakten brachte der Mann mit der braunen Kutte. Brasilien, das machte er deutlich, steht für die Teilung der Welt in Arm und Reich. Von 100 Brasilianern können 69 nie einen Omnibus benutzen und 59 nicht lesen und schreiben. Auf dem Land gehört nach Bedas Feststellung alles den Großgrundbesitzern. Die Familien der Landarbeiter könnten nicht einmal für sich Gemüse anpflanzen.

Brasilien sei ein Land der Gewalt und der Angst, fuhr der Ordensmann fort. Die Zahl der Straßenkinder wachse in erschreckender Weise. Die Jugendlichen seien der Willkür der Polizei ausgesetzt, die die Macht habe. Morde an Straßenkindern seien an der Tagesordnung. Die Armen hätten keine Würde - im Leben und im Sterben. "Aus eigener Kraft kommt da keiner raus", meinte Beda und appellierte: "Wir müssen uns damit befassen."

Projekte wie "Verde Vida" schafften Hoffnung auf eine bessere Welt. Die Arbeit des Künstlers Marcos Xenofonte und von anderen sei ein Beitrag für ein neues Brasilien, von dem die armen Kinder träumten, sagte der Franziskanerpater. Der Besuch in Nordhorn sollte nach seinen Worten auch ein Zeichen des Dankes und der Ermutigung für alle sein, die sich für die "Eine Welt" engagierten.

In den nächsten Tagen und Wochen werden die brasilianischen Gäste und der Aktionskreis Pater Beda noch viele Schulen im Kreis besuchen und am Ende - wie jetzt im Gynnasium Nordhorn - jedem Teilnehmer ihres "Unterrichts" ein brasilianisches Freundschaftsband überreichen, das am Handgelenk getragen werden kann. Wenn es von allein abfällt, so sagt man in Brasilien, geht ein Wunsch in Erfüllung.

 

Grafschafter Nachrichten

04.05.2004