Im Juni waren wir drei Tage lang für ein Kunstprojekt an der Ernst-Barlach-Gesamtschule in Dinslaken. Die Partnerschaft mit der Schule besteht schon seit über 35 Jahren. Im Kontext des Bereichs "Schule der Zukunft" finden jährlich an einem Tag Aktivitäten in der 5. Jahrgangsstufe mit dem Aktionskreis Pater Beda statt. Der Besuch von dem Künstler Genivan Brasil von unserer Partnerorganisation Verde Vida brachte uns auf die Idee, den regelmäßigen Besuch in diesem Jahr künstlerisch anzugehen. Da die Schule ihr 40-jähriges Jubiläum feiert, war schnell klar: Es muss etwas sein, das bleibt. Das am Ende mehr als 30 Meter Mauer bemalt werden würden, hätten wir zu Beginn wohl selbst nicht gedacht.
Gemeinsam mit Bettina Röttger, der Lehrerin und Koordinatorin des Projektes, entwickelten wir das Gesamtkonzept und legten Ablauf, Motiv und Verantwortlichkeiten fest. Unzählige Schülerinnen, Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Sponsoren und Freundinnen und Freunde waren schließlich daran beteiligt, dass aus der tristen, dreckigen Mauer ein echtes Kunstwerk wurde.
Im Vorfeld organisierte die Schule mit dem Engagement von Eltern, Lehrer*innen und Schüler*innen die Reinigung und Aufbereitung der Mauer. Anschließend grundierten Oberstufenschüler*innen sie.
Die Idee der gemeinsamen Mauergestaltung war es, gemeinsam etwas zu schaffen, das bleibt. Genau wie die Partnerschaft zwischen den EBGS und dem AKPB, die nur gemeinsam weitergeht und uns seit vielen Jahren verbindet. Darüber hinaus wurde durch die Auswahl der Motive, die Verbindung zu Brasilien deutlich. Für Genivan war schnell klar: Das, was uns verbindet, ist die Natur mit ihren vier Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft. Diese Elemente ziehen sich durch die gesamte Mauer und stehen sinnbildlich dafür, dass Leben nur entsteht, weil alle vier Elemente miteinander verbunden sind. Genau wie wir als Menschen nur leben, wenn wir im Einklang mit der Natur und untereinander leben. Es geht um Gleichgewicht, Verbundenheit und Gemeinschaft. Ein Element sorgt für das andere, so wie Menschen füreinander sorgen. Mit Blick auf das Leben könnte man es auch so formulieren:
"Aus der Erde entsteht das Leben; aus der Vielfalt entsteht Gemeinschaft; aus dem Wissen entsteht die Zukunft."
An drei Projekttagen waren wir gemeinsam mit Genivan in Dinslaken.
Tag 1 - Skizzen und Testen
Am ersten Tag wurde die Mauer skizziert, der Ablauf des Projekttages mit den Schülerinnen und Schülern noch einmal im Detail besprochen und die Farbe an einem Teil der Mauer getestet.
Tag 2 - Projekttag mit 125 Schülerinnen und Schülern
Am zweiten Tag ging es früh los. Wir bereiteten die Mauer, die Materialien und Farben vor. Alles begann mit einer gemeinsamen Begrüßung in der ersten Stunde, in der neben allen teilnehmenden Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleitung, die Abteilungsleitung und der Bürgermeister der Stadt Dinslaken teilnahmen. Nach einigen Danksagungen stellten wir uns, das Bildkonzept und den Ablauf vor. Wichtig für Genivan war es, den Kids die Hintergründe zu erklären: "Das Bild entsteht mit und für euch. Ihr malt und werdet so zu den Eigentümern des Werks. Die Mauer ist keine Trennwand mehr, sondern wird zum Spiegel: Sie zeigt die Kraft der Natur und die Schönheit derer, die dort leben."
Jede Gruppe kam erst für eine Schulstunde in die Mensa und sprach mit Frauke über den AKPB, Brasilien und Verde Vida. Was macht Genivan in Brasilien? Warum sind die Angebote von Verde Vida so wichtig?
Danach ging es runter. Für jede und jeden war ein Bereich ausgewiesen, und Overall, Pinsel und Farbschale warteten bereits. Die Betreuung von Gruppen mit jeweils mehr als 25 Schülerinnen und Schülern gleichzeitig war eine kleine Herausforderung, die Genivan trotz sprachlicher Herausforderungen mit viel Ruhe und langjähriger Erfahrung meisterte. Die Kids waren mit viel Konzentration und Stolz dabei.
Der Projekttag endete mit einer gemeinsamen Abschlussrunde, in der gemeinsam auf das geschaut wurde, was an dem Tag geschafft wurde. Genivan und die 125 Künstler*innen wurden mit tosendem Applaus gefeiert.
Tag 3 - Schlechtes Wetter und Feinschliff
Den letzten Tag nutzten wir für die Details. Genivan hatte viele Motive vorbereitet, die für Gemeinschaft, Wissen, Diversität und Schule standen. Da das Wetter an dem Tag nicht an unserer Seite war, mussten wir viel improvisieren, und schließlich packten alle mit an, um das Kunstwerk fertigzustellen. Erschöpft, aber glücklich konnten wir das Kunstwerk am späten Nachmittag des dritten Tages fertigstellen. Es entstand ein Kunstwerk voller Gemeinschaft, Zusammenhalt und Wertschätzung für die Natur und das Leben.
Genivans großer Wunsch ist es, das Mauerprojekt gemeinsam mit Kindern auch in Brasilien fortzuführen und so eine Mauer zu schaffen, die Menschen und Leben nicht ausgrenzt und voneinander trennt, sondern sie über Kontinente hinweg verbindet.
`Wenn wir die Erde, das Wasser, das Feuer und die Luft malen, malen wir uns selbst. Jedes Leben zählt.`