Montag-Mittwoch, 14.-16. Oktober, Fahrt zurück nach Simoes Filho/BA + weitere Projektplanungen des Netzwerkes

Rückreise von Crato/CE nach Simoes Folho/BA
Rückreise von Crato/CE nach Simoes Folho/BA

Nach Abschluß des Treffens in Crato/CE geht die große Reise nun mit dem PKW zurück zum Ausgangsort nach Simoes Filho/BA bei Salvador, knapp 800 km entfernt. Ein Teilstück der Autofahrt konnten wir schon am Sonntag zurücklegen, da bis am nachmittag die Teilnehmer wieder ihren Weg in die Heimat aufgenommen hatten. Wir, das sind Maria Detert, die ja auch Vorsitzende des neuen Netzwerkes ist und die Schriftführerin Vanúbia con der CPT in Campina Grande, sowie Wellington und Andreia vom "Kinderdorf" in Simoes Filho, die auch zum Vorstand des Netzwerkes aller Partnerprojekte gehören. Diese müssen in Simoes Filho auch die Vereinsunterlagen unterschreiben, damit vor Gericht alles seine Richtigkeit hat. - Für mich ist es der Abschluß der Reise durch den Nordosten, mit all' seinen Begegnungen. In Simoes Filho wollen wir in diesen Tagen auch weiter an der gemeinsamen, ersten Projektzusammenarbeit feilen, damit alle Projekte dadurch im Bildungsbereich gefördert werden können. Das war auch das Hauptanliegen unseres Zusammentreffens dort . Darüber hinaus bekommt man immer viel von den Aktivitäten des früheren Kinderdorfes, der Cidade da Criança mit.

Z.B. läuft zur Zeit ein Kurs für junge Frauen, die Konditorinnen werden wollen. Die meisten Frauen haben keine richtige Ausbildung und versprechen sich durch diese Arbeit, sich ein regelmäßig Einkommen für ihre Familie erwirtschaften zu können. Im Gespräch mit der Lehrerin, den Frauen und Ivonita erfahren wir schnell, dass die jungen Frauen überglücklich und stolz sind, an dem Kurs teilnehmen zu können. Sie erklären uns, dass es für sie das erste Mal in ihrem Leben vorkommt, dass sie spüren etwas Wert zu sein. Noch nie wurden sie im Leben durch irgendein Programm gefördert. Und so sind sie auch stolz darüber, in Zukunft nicht immer völlig abhängig von ihren Männern leben zu müssen.

Die nächsten Bilder zeigen Eindrücke aus dem Projektalltag, wobei in diesem Jahr alleine 1.000 junge Leute an berufsvorbereitende Kurse mit allgemeiner Schulbildung und kultureller und sportlicher Förderung teilnehmen werden. Das ist ein Programm der umliegenden Industriebetriebe, das in Zusammenarbeit mit der "Cidade da Criança" den jungen Menschen aus der armen Bevölkerungsschicht den Start in ein Berufsleben ermöglicht. Erst durch diese Förderung werden sie in die Lage versetzt, an den praktischen Berufskursen teilhaben zu können. Der Regelunterricht in den staatlichen Schulen reicht dafür nicht aus. Und auch deshalb sind die jungen Menschen in Brasilien im Mai und Juni des Jahres auf die Strassen gegangen. Ein Protest gegen Korruption und für Bildungschancen für alle.

Einsatz in Politik und Gesellschaft: Mit Ivonita, der Leiterin des "Kinderdorfes" gehen wir zu einer öffentlichen Anhörung im Stadtrat der 120.000 Einwohner großen Stadt Simoes Filho. Dabei geht es um die Neuansiedlung eines großen Industriekomplexes. Die Menschen diskutieren über die ökologischen Folgen, aber auch über die Chancen auf neue Arbeitsplätze, 4.000 sollen es werden. Gleichzeitig verweist man mit großer Sorge auf die mangelnde Ausbildung der Bevölkerung vor Ort, um den Anforderungen der Industrie gerecht zu werden. Während der Sitzung wird Ivonita begrüßt und ihr Einsatz für die berufliche Förderung der jungen Menschen von Simoes Filho hervorgehoben. Am Folgetag kommt der Vorsitzende des Stadtrates von Simoes Filho, Herr Joel Luiz Cerqueira, von der Arbeiterpartei PT ins Projekt und plant im Beisein von Maria Detert und mir, mit Ivonita konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Ivonita ist aber stets besorgt den Charakter und die Identität des Projektes beizubehalten. Trotzdem sind Kooperationen notwendig, damit etwas für die Zukunft der jungen Menschen Simoes Filho gemacht werden kann.

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