Donnerstag, 17. - Samstag, 19. Oktober, Menschenrechtszentrum in Nova Iguaçu u. Rückflug nach Deutschland

Gleichzeitig LETZTER EINTRAG in diesem Blog zur Brasilien-Partnerbegegnung

Zur Arbeit des Menschenrechtszentrums in der Diözese Nova Iguaçu gehört auch ein Kinderheim. Dieses Heim wird mit großem Elan von der Rechtsanwältin und Pädagogin Vera Cristina Gomes und ihrem Mann geleitet. Hierher kommen Kinder, die in der Familie Gewalt, sexuellen Missbrauch und Verwahrlosung erlebt haben. Alles läuft in Absprache mit dem Jugendgericht vor Ort, aber die Mittel für den Unterhalt laufen nur sehr zäh. Die Stadtverwaltung ist wieder fünf Monate im Rückstand. Ohne die Hilfe, die vom Aktionskreis Pater Beda und seinen Freunden, sowie dem Kindermissionswerk/Die Sternsinger regelmäßig geschickt wird, gäbe es diese Art von Betreuung und Suche nach Auswegen für die Kinder gar nicht mehr. Und oft kommen die Kinder schon mit großen Problemen und sind vielfach traumatisiert. Psychologen und Ärzte helfen dem Team ehrenamtlich mit, das Ganze überhaupt Aufrecht halten zu können. Im Kinderheim leben zur Zeit 35 Kinder im Alter von 1-16 Jahren. In den Pfarrgemeinden der Diözese Nova Iguaçu versucht man regelmäßig durch Informationen in den Gottesdiensten Kinder in Pflegefamilien zu vermitteln. Über 150 Kinder fanden so eine neue Familie. Und einige konnten auch adoptiert werden. Trotzdem wird zunächst versucht, die familiäre Situation Zuhause zu klären, was leider nur in den seltensten Fällen gelingt. Zu weit sind die Eltern, oft ohne jede Perspektive und ohne jede Arbeit den Drogen, Alkoholismus, Prostitution und Bandenkriegen verfallen. - Hier sind einige Fotos vom kurzen Besuch im Kinderheim "Beija Flor" (Kolibri) und ein kurzer Film zu sehen mit dem Geburtstagskuchen für die "anders begabte" Bruna, die an diesem Tag 14 Jahre alt wurde. Sie müsste eigentlich in ein anderes Heim, aber nur hier hat man die nötige Geduld für sie. Vera erzählte und zeigte uns noch, dass ein Fenstergitter aufgebrochen wurde und ihr Laptop mit allen den Projektplanungen und Berichten zu den betreuten Kindern gestohlen wurde. Man ist einfach in das Büro hereingeklettert. Was Vera und ihr Team mit den Kindern leistet, läßt uns alle beschämen. Meine große Hochachtung, dass es jemanden gibt, der die Kraft für diese traumatisierten Kinder aufbringt. Darauf angesprochen erzählte mir Vera, dass es "nicht immer leicht sei, aber soll sie denn die Kinder bei ihren gewalttätigen Vätern lassen, die bereits zwei- oder dreijährige Kleinkinder vergewaltigen und misshandeln?"

Bischof der Diözese von Nova Iguacu (bei Rio de Janeiro) ist der gebürtige Italiener Dom Luciano Bergamim, hier auf dem Foto mit der neuen Leiterin des Menschenrechtszentrums (MRZ), Schwester Yolanda Florentino beim gemeinsamen Arbeitsfrühstück im Bildungshaus der Diözese. Die Schwester und ihr Team haben es geschafft, dass zukünftig das Zeugenschutzprogramm der Landesregierung von Rio de Janeiro in den Händen des MRZ von Nova Iguacu liegt. Dabei geht es insbesondere darum, die kriminellen Machenschaften der Drogenbosse zu entlarven. Es ist eine sehr vertrauensvolle Arbeit, die noch im Aufbau ist. Denn für die Großveranstaltungen wie Fußballweltmeisterschaft 2014 und Olympia 2016 wird Rio regelrecht gesäubert, die Drogenbosse haben "ihre" Favelas verlassen und die Polizei und der Staat sind wieder vor Ort. Befriedung nennt man das in Rio. Jedoch sind die Drogengeschäfte nach Angaben der neu gegründeten Protestplattform "Forum Grito Baixada" (Forum Schrei der Baixada, Baixada ist die Tiefebene vor Rio, wozu auch Nova Iguaçu, mit knapp 1 Mio. Einwohner und weitere Großstädte gehören) nur in andere Gebiete ausserhalb von Rio de Janeiro abgewandert und gehen weiterhin mit aller Brutalität ihren Geschäften nach. Dieses Forum ist ein Zusammenschluß vieler Gruppen der Zivilgesellschaft und der verschiedensten Kirchen. Die Bischöfe von Nova Iguacu und von Duque de Caxias stehen bei der Bewegung ganz vorne an und erst vor einem Monat hat der Ministerpräsident von Rio de Janeiro eine Delegation des Forums in seinem Palast empfangen und die Sorgen zur Kenntnis genommen. In dieser Frage müssen die Politiker und auch die Sicherheitskräfte noch vieles anpacken, was seit Jahrzehnten vernachlässigt wurde. - Auch hier ein kleiner Film und Fotos von dem befriedeten Elendsviertel "Complexo do Alemao", wo es bereits durch die Installation einer Gondel, die die verschiedenen Hügel von Rio verbindet, zu einem regelrechten internationalen Favela-Tourismus gekommen ist, mit Führung und Übersetzungen in vielen Sprachen, um aufzuzeigen, dass hier nun alles friedlich ist. - Ein Foto zeigt Crack-Konsumenten am Rande einer Hauptstrasse, die direkt ins Zentrum von Rio führt.

Das MRZ begleitet mittellose Familien vor Gericht und gibt Rechtsbegleitung bei der Missachtung der grundlegenden Menschenrechte, alleine im Jahre 2012 wurden über 700 Prozesse begleitet. Ganz konkret konnte ich dies in Vila de Cava erleben, einem Ortsteil von Nova Iguacu. Hier sind die Anwälte mit juristischem Beistand dabei Familien zu helfen, die von ihrem Grund und Boden verjagt worden sind, dort wo sie seit Generationen in ihrem Haus leben. Es wird eine große neue Straße gebaut, die zwei Industriehäfen und zwei große Industriekomplexe verbindet und einfach ganze Gegenden durchschneidet, mit wenigen Ab- und Auffahrten, und mit ganz wenigen Brücken und Tunneln versehen. Und das schlimmste dabei, die Leute werden nicht einmal vernünftig entschädigt. Ganz in Gegenteil, wer nicht sofort unterschreibt, werden die Leuten unter Druck gesetzt und man erzählt ihnen, dass sie sonst gar nichts ausgezahlt bekommen. Viele verängstigte Familien haben bereits für Bruchteile des eigentlichen Wertes "unterschrieben" aber seit einiger Zeit, zusammen mit den Anwälten des Menschenrechtszentrums von Nova Iguaçu haben sich die Familien neu organisiert. Jede betroffenen Familie hat Anklage erhoben und die ersten Familien, die nur umgerechnet 3.000 € für ihr Haus bekamen, erhielten jetzt von der Regierung jeweils 70.000 €. Man geht einfach über die Köpfe der Menschen hinweg. Der Baustopp wird erst dann aufgehoben, wenn alle Fälle bis zu Ende verhandelt wurden und es geht um weitere 40 Familien. Wo sollen die Menschen denn sonst hin? Schwester Yolanda zeigt uns die Stelle, wo der Baustopp bewirkt werden konnte, siehe Fotos und Film.

Am letzten Tag, direkt vor meiner Rückreise nach Deutschland, fand im Bildungszentrum des Bistums die vorletzte Veranstaltung des Kurses "Menschenrechtsfragen und Organisationsstrukturen von Nichtregierungsorganisationen" statt. Der Kurs, an dem regelmäßig über 100 Führungskräfte der Zivilgesellschaft teilnehmen, findet an genau 20 Samstagen statt, jeweils den ganzen Vormittag mit Fachvorträgen, Kleingruppenarbeit usw. Da ich zu Besuch war, konnte ich auch einige Erfahrungen einbringen, da wir ja selbst in Brasilien gerade dabei sind ein Netzwerk zu gründen.

Am Abend ging es dann mit einem Direktflug von Rio de Janeiro nach Frankfurt, wo ich dann am Sonntag, 20. Oktober wohlbehalten ankam.

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Kommentare: 9
  • #1

    Bayer (Mittwoch, 14 Mai 2014 15:28)

    Ich war auf der Suche nach Informationen über eine andere Hilfsaktion, als ich von Google hierher geschickte wurde. Mit großem Interesse habe ich Ihre Beiträge gelesen. Es ist überwältigend, was sie da mit Gottes Hilfe geleistet haben.

  • #2

    Klaus aus Leverkusen (Freitag, 11 März 2016 14:58)

    Super Beiträge. echt schade das ihr aufgehört habt mit diesem Blog. Habe die Artikel sehr gerne gelesen. Es ist toll was ihr da gemacht habt.

    Gruß aus Leverkusen
    Klaus

  • #3

    Pall Mall (Donnerstag, 22 Dezember 2016 11:13)

    Schade das nix mehr kommt hier auf der Seite. Trotzdem an alle ein schönes Weihnachtsfest

  • #4

    Zero Zero (Samstag, 14 Januar 2017 16:02)

    Frohes neues Jahr an alle

  • #5

    Lindsey Napoli (Montag, 23 Januar 2017 02:59)


    This post is priceless. When can I find out more?

  • #6

    Lynsey Towry (Dienstag, 24 Januar 2017 09:06)


    I am extremely inspired together with your writing talents and also with the format on your weblog. Is that this a paid subject or did you customize it yourself? Anyway keep up the excellent high quality writing, it is rare to look a nice blog like this one nowadays..

  • #7

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    Tolle Seite! Echt klasse!

  • #8

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    Tolle Webseite!! Schön aufgebaut uns sehr übersichtlich!! Liebe Grüße aus Berlin

  • #9

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    Wunderbar augebaute Seite!! Da habt ihr euch ja richtig Mühe gegeben!! Sieht super Klasse aus!! LG von Klaus aus Hamburg