Montag, 30. September, "Kleine Propheten" u. "Menina Mulher"

Demetrius vor einer kleinen Fotoausstellung: Jungen und Mädchen, die auf der Straße leben sagen, was sie für Träume haben
Demetrius vor einer kleinen Fotoausstellung: Jungen und Mädchen, die auf der Straße leben sagen, was sie für Träume haben

Auch bei der "Gemeinschaft der Kleinen Propheten" in Recife besprechen wir zunächst, die weitere Vorgehensweise im geplanten Netzwerk aller Partnerprojekte. Das nächste Treffen findet ja in gut 10 Tagen in Crato/CE statt. Später sicher noch ausführlicher dazu. Die Landesregierung von Pernambuco setzt auf Massnahmen zur freiwilligen Entgiftung der drogenabhängigen Jugendlichen, die auf und von der Straße leben. Mit dem Projekt von Demetrius haben sie einen Standort gefunden, wo sehr engagierte Mitarbeiter dieses Programm im Projektgebäude der Stadt zunächst anbieten und konkreter dann auf dem Landstück "Clarion Hof" umsetzen. Dort leben z.Zt. 30 junge Leute, die von der Drogen- und Alkoholsucht loskommen wollen, damit sie eine neue Lebensperspektive bekommen. Eine Arbeit, die sehr viel Geduld erfordert, hat doch das harte Leben auf der Straße den jungen Menschen schon stark zugesetzt. Demetrius und sein Team geben nicht auf und machen zusätzlich Druck auf die Regierung, damit diese auch ihren Versprechnungen nachkommt. Gleichzeitig macht er in unserem Gespräch immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, dass die Gesellschaft in Brasilien grundsätzlich ein anderes Verhältnis zu den verarmten Menschen entwickeln muss. Es sind nicht alle Banditen, nur weil sie im Leben einfach keine Chance bekommen haben aus dem Teufelskreis von Armut, Verelendung und Perspektivlosigkeit herauszukommen. Und dies beginnt oft schon im frühen Kindesalter. Seit über 30 Jahren kümmert sich Demetrius um die "Vergessenen" auf der Straße und kämpft um mehr Wahrnehmung der Situation, mehr Anerkennung und mehr Rechte für sie, auch mit der Hilfe unseres Aktionskreises.

Im "Casa Menina Mulher" werden ausschließlich Mädchen und junge Frauen gefördert, die aus Elendsvierteln kommen, die geprägt sind von Gewalt, Prostitution, Machismus. Die Mädchen müssen besondere Stärken entwickeln, um sich in diesem Umfeld zu behaupten. Und das schafft das Projekt auch. Neben der schulischen Förderung gibt es verschiedenen Werkstätten, wo sich die Mädchen und jungen Frauen betätigen können, wie z.B. Tanz- und Theatergruppen, Malen- und Zeichnenkurse. Für die älteren wurden stets berufsbildene Kurse für Friseurinnen und Bürokräfte angeboten. Die Abkommen mit dem Regierungsprogramm sind gerade auf Eis gelegt worden und so funktioniert das Projekt mit seiner so wichtigen Arbeit nur am Nachmittag. Man ist aber fleißig dabei, Mittel zur Förderung weiterer Kurse zu bekommen. All' diese Aktivitäten fördert das Selbstbewusstsein der Mädchen und jungen Frauen und gibt ihnen Kraft aus dem Teufelskreis von fehlender Bildung, junger Mutterschaft und totaler Abhängigkeit von den Männern auszubrechen. Gerade in den verarmten Schichten hat die Frau keinen Wert. Sie muss dem Mann dienen und zur Verfügung stehen. Unsere Freunde vom Brasilien-Freundeskreis in Papenburg veranstalten im Laufe des Jahres vielfache Aktionen, mit deren Erlösen sie diese Arbeit fördern. Auch die Frauengemeinschaft der Pfarrgemeinde St. Walburgis in Menden hilft hier seit vielen Jahren mit. Wir überlegen, wie wir hier noch mehr helfen können.

Helio Alves, der das Projekt "Nosso Lar" in Juazeiro do Norte/CE leitet, begleitet mich für eine Woche zu den verschiedenen Partnerprojekten im Bundesstaat Paraiba. Wir trafen uns in Recife. Beim Besuch im Projekt "Casa Menina Mulher" konnte er seine Erfahrungen mit der "Inklusion" von anders Begabten (Menschen mit Behinderungen) einbringen, da die Mädchen gerade einen Film zu diesem Thema gesehen hatten und nun diskutierten, wie die brasilianische Gesellschaft mit Menschen mit Behinderungen umgehen muss. Schon im Kindesalter müssen solche Themen besetzt werden. Eine kurze Momentaufnahme aus diesem Unterricht hier im Film:

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