Donnerstag, 26. September, Fahrt nach Recife zur "Turma do Flau" und weiteren Partnern

Mittags planmäßig in Recife angekommen. Erstes Ziel und Stützpunkt für die nächsten Tagen ist das Projekt "Turma do Flau" mit den Schwestern Aurieta und Denise. Fast die ganze Reise von 250 km geht es durch die Zuckerrohr-Monokultur. In Brasilien laufen noch immer die Hälfte der Autos auf Ethanol (Alkohol), es waren früher noch mehr. Die Menschen die auf den Feldern arbeiten (in der Region gibt es kaum Alternativen) werden immer noch ausgebeutet, die Grundbesitzer erhalten erhebliche Subventionen. Das Pro-Akoholprogramm wurde bereits in den 1970-iger Jahren aufgelegt, damit man vom Erdöl unabhängiger wurde. Ganze Landstriche im breiten Küstenstreifen im Nordosten Brasiliens sind von dieser Monokultur geprägt.

Wie immer gibt es einen frohen Empfang bei der Turma do Flau. Direkt danach finden schon die ersten Treffen und Gespräche statt. Eine Versammlung mit dem Projekt "Casa Menina Mulher" in der Stadtmitte von Recife war anberaumt worden. Alles hat pünktlich geklappt. Viele Projekte stehen vor Problemen der Finanzierung ihrer Vorhaben und Förderprogramme für die jungen Leuten, die die Institution immer mehr aufsuchen. Die Politik und die Verantwortlichen in den zuständigen Behörden sind in Brasilien immer noch mit vielem anderen beschäftigt, als ihrer Verantwortung nachzukommen. Die organiiserte Zivilgesellschaft, also auch die Nichtregierungsorganisationen suchen nach neuen Kooperationen. Am Montag gibt es noch einen Kurzbesuch im Projekt "Casa Menina Mulher".

Dann bekamen Schwester Aurieta und ich noch kurzfristig einen Gesprächstermin beim Landesminister zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Bundesstaat Pernambuco, Pedro Eurico, der auch für die FUNASE verantwortlich ist. Funase, "Stiftung der sozialpädagogischen Förderung" ist eine Organisation, die sich um die Kinder und Jugendlichen kümmern soll, die straflechtich aufgefallen sind, aber nicht ins Gefängnis gehören. Im Gespräch berichtet uns Pedro Eurico dass es 16 solcher Auffanganstalten für Kinder und Jugendliche im Bundesstaat Pernambuco gibt, mit insgesamt z.Zt. genau 1.659 jungen Leuten. Wir erhielten einen aktuellen Übersichtsplan der Landesregierung von Pernambuco mit dem Stichtag 26.09.2013.

Schwester Aurieta und ich kennen Pedro Eurico seit vielen Jahren. Er hat sich in seiner Parlamentsarbeit stets um Menschenrechtsarbeit gekümmert und sich als Anwalt der "Kleinen" in Brasilien einen Namen gemacht. U.A. hat er in der Militärdiktatur die Rechte des einzigen ausländischen Priesters, der ausser Landes gewiesen wurde, verteidigt. Der italienische Priester Vito Miracapillo ist mittlerweile (vor einem Jahr) wieder von der brasilianischen Regierung, auch auf Druck von Pedro Eurico, reabillitert worden.

Das Projekt "Die Kleinen Propheten" von Demetrius wird schon in diesem Sinne gefördert, denn sie versuchen auf dem Landstück, das zum Projekt gehört, die jungen Drogenabhängigen zu entgiften und ihnen vor allem eine Perspektive zu geben.

Pedro Eurico erklärte in unserem Gespräch, dass auch die "Turma do Flau" Nutznießer dieser Massnahmen werden könnte und dass er sich das Landstück selbst in Kürze anschauen möchte, dass auch Schwester Aurieta ausserhalb von der Stadt Recife für ihre jungen Leute unterhält. Vielleicht entwickeln sich nach unserem Gespräch ganz neue Chancen der Zusammenarbeit mit der Landesregierung von Pernambuco.

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Kommentare: 1
  • #1

    Jenny (Sonntag, 29 September 2013 15:58)

    Lieber Udo, ich bin immer gespannt auf deine Einträge und es ist schön, die Menschen auf den Fotos und Filmen wieder zusehen. Das Gespräch mit Pedro Eurico hört sich zuversichtlich an, ich hoffe, das auch etwas umgesetzt wird. Grüß all unsere Freunde in Brasilien von mir. Bis bald und pass auf dich auf! Jenny