Marie Henriqueta
Marie Henriqueta Ferreira Cavalcante ist eine Menschenrechtsaktivistin in Brasilien, die sich unermüdlich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen einsetzt, die von Gewalt, sexuellem Missbrauch, Ausbeutung und Menschenhandel im brasilianischen Amazonasgebiet betroffen sind. Seit mehr als zwei Jahrzehnten konzentriert sich ihre Arbeit auf den Archipel Marajó, eine Region, die von tiefen sozialen Ungleichheiten und historischen Rechtsverletzungen geprägt ist. Sie baut Schutznetzwerk auf, stärkt und vernetzt Institutionen und gibt den Opfern eine Stimme.
Geboren in Eirunepé, im Herzen des Amazonasgebiets, wurde sie zunächst Lehrerin mit einem Abschluss in Biologie. Doch sie fühlte sich zu etwas anderes berufen und schloss sich Ordensschwestern an um die am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu stärken und für ihre Rechte einzustehen.
Als Repräsentation des Netzwerks SoliVida im permanenten nationalen Forum zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen an Land, in den Wäldern und am Wasser bringt sie die Perspektive der verletzlichsten Gruppen in politische Debatten ein – dort wo Großprojekte, Agrarindustrie und Bergbau mit den Lebensrealitäten der Menschen, insbesondere der indigenen Bevölkerung im Amazonas kollidieren.
Marie Henriqueta wurde neben Bischof Dom José Luís Azcona zu einer der wichtigsten Stimmen der Anklage im symbolträchtigen Fall des ehemaligen Landtagsabgeordneten Luiz Afonso Sefer, der beschuldigt wurde, ein nur 9-jähriges Mädchen über einen Zeitraum von vier Jahren sexuell missbraucht zu haben. Ihr Mut und ihre Beharrlichkeit, diesen und andere Fälle anzuzeigen, waren entscheidend für die Einrichtung der CPI da Pedofilia (Untersuchungskommission für Pädophilie), in der sie aktiv mitwirkte und ihr Wissen und ihre Erfahrung einbrachte, um Gerechtigkeit zu gewährleisten und strukturelle Veränderungen im Kampf gegen sexuelle Gewalt gegen Kinder vorzuschlagen.
Im Laufe ihres Kampfes erhielt Schwester Marie Henriqueta aufgrund ihrer Arbeit zur Verteidigung der Menschenrechte Morddrohungen. Das veranlasste sie dazu, sich dem Programm zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern anzuschließen. Ihre Mitwirkung war auch in der Parlamentarischen Untersuchungskommission zum Menschenhandel von grundlegender Bedeutung, wo sie aktiv an der Ermittlung krimineller Netzwerke mitwirkte, die in abgelegenen Regionen des Amazonasgebietes operieren.
Ihr Engagement ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung, um Druck für öffentliche Maßnahmen und konkrete Aktionen auszuüben, die die Würde und Sicherheit von Mädchen und Frauen in der Region gewährleisten.
Zahlen, Anerkennungen und Ergebnisse, die zur Fortsetzung der Mission motivieren.
Der Archipel von Marajó beherbergt eine der größten Artenvielfalten der Welt und eine reiche Volkskultur. Gleichzeitig gibt es viele Herausforderungen: hohe Armutsraten, niedriger HDI (Human Development Index) , prekäre Gesundheitsversorgung und Bildungschancen sowie eine starke Präsenz krimineller Netzwerke, die mit Menschenhandel in Verbindung stehen.
Trotz punktueller Verbesserungen der Infrastruktur, wie beispielsweise neuen Wasserstraßen-Terminals, ist die geografische Isolation groß. Daraus resultieren fehlende Schutzorte, kaum Rechtsbeistand, große Abhängigkeiten, fehlende Fluchtmöglichkeiten für Opfer von Gewalt. Viele Menschen sind noch nicht einmal registriert. In diesem Zusammenhang gewinnt die Arbeit von Schwester Henriquetas an Bedeutung, um Schmerz in Hoffnung zu verwandeln.