Die Arbeit geht weiter

Die Arbeit geht weiter Pater Bedas Erbe:

„Jetzt erst recht“

Führen das Erbe von Pater Beda mit veränderten Strukturen fort: Bernward Wigger, Vorsitzender des Aktionskreises Pater Beda und Geschäftsführer Udo Lohoff. Foto: Klaus Wiedau

Gronau/Kloster Bardel - 

„Jetzt erst recht“ – auf diese kurze Formel lässt sich das Engagement verdichten, mit dem viele Freunde und Mitstreiter des im August verstorbenen Pater Beda aktuell daran arbeiten, die geleistete Arbeit zum Wohle der kleinen und vergessenen Menschen fortzusetzen.

Von Klaus Wiedau

„Jetzt erst recht“ – auf diese kurze Formel lässt sich das Engagement verdichten, mit dem viele Freunde und Mitstreiter des im August verstorbenen Pater Beda aktuell daran arbeiten, die über Jahrzehnte in Deutschland, aber auch in den Partnerprojekten in Brasilien geleistete Arbeit zum Wohle der kleinen und vergessenen Menschen fortzusetzen. Und somit das Erbe des Franziskanerpaters in die Zukunft zu tragen. Schon seit seiner Erkrankung, insbesondere aber nach seinem Tod sei immer wieder die Frage gestellt worden: „Wie geht es nun weiter?“, betonten jetzt der Vorsitzende des Aktionskreises Pater Beda, Bernward Wigger (Gronau) und Geschäftsführer Udo Lohoff in einem Gespräch mit den WN.

Als richtig und zielführend für die künftige Arbeit erweise sich heute, dass bereits vor Jahren wichtige Entscheidungen getroffen und Maßnahmen dafür eingeleitet worden seien. „Schon 2012 haben wir begonnen, diesen Stabwechsel zu organisieren“, macht Wigger deutlich. Pater Beda sei bis zuletzt als „Initiator und Motivator“ aktiv gewesen, habe sich aber bereits vor Jahren aus dem rein operativen Geschäft zurückgezogen, das er bei Lohoff als Geschäftsführer und Mitstreiter seit 20 Jahren in guten Händen wusste. Lohoff kennt nicht nur alle Vorgänge in Deutschland und Brasilien, er ist – gemeinsam mit seiner Frau Maria – auch der Motor, der die Arbeit des Aktionskreises unermüdlich lebendig hält.

Bernward Wigger wurde vor drei Jahren zum Vorsitzenden des Aktionskreises gewählt. An der Seite von Beda begleitete der Diplom-Finanzwirt jahrelang ehrenamtlich die Arbeit, insbesondere als fachkundiger Kassenwart sowie Steuer- und Finanzfachmann. Und diese strukturellen Veränderungen seien auch nötig gewesen, um den inzwischen komplett veränderten Rahmenbedingungen für die Arbeit Rechnung zu tragen, betonten Wigger und Lohoff. Wo vor Jahren noch ein vertrauensvolles Miteinander und die Zusammenarbeit auf Zuruf als Basis gereicht hätten, gelte es heute hohe Anforderungen an Transparenz, Mitteleinsatz und Dokumentation zu erfüllen. Verwaltungs- und Werbungskosten dürften nur einen bestimmten Level ausmachen, die Prüfung aller Vorgänge durch externe Wirtschaftsprüfer sei obligatorisch.

Um dieses hohe Niveau der eigenen Arbeit auch nach außen hin zu dokumentieren, sei die Zertifizierung mit dem DZI-Spendensiegel unerlässlich gewesen: „Das DZI für soziale Fragen hat uns 2015 bestätigt, dass wir mit den uns anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgehen“, so Udo Lohoff. Der Weg zu dieser Zertifizierung – der Prozess begann 2013 – war dabei kein Spaziergang: „Wir sind kein 08/15-Gebilde, sondern ein sehr komplexer Verein, unter anderem weil wir auch einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhalten“, so Wigger. Derartige Konstruktionen seien im Zertifizierungsprozess des DZI eher selten, daher habe das Institut hohe Anforderungen gestellt, die es zu erfüllen galt. Die Arbeit habe sich indes gelohnt. Lohoff: „Das Spendensiegel unterstreicht unsere Anstrengungen, die Arbeit des Aktionskreises Pater Beda umfassend und transparent darzustellen.“

Auch bei den Partnerprojekten in Brasilien wurde schon frühzeitig an die Zukunft gedacht: „Die 26 Partnerprojekte des Aktionskreises – mit zwei Ausnahmen alle im Nordosten Brasiliens gelegen – haben sich in den vergangenen Jahren zum Netzwerk SoliVida (Solidarität und Leben) zusammengeschlossen. Sie treffen sich heute regelmäßig um voneinander zu lernen und gemeinsam stärker in die Öffentlichkeit hineinzuwirken. Pater Beda hat also schon früh mit seinen Freunden in Brasilien einen Grundstein für die Fortsetzung der Arbeit gelegt“, so Wigger und Lohoff.

Mit Unterstützung aus Deutschland wurden und werden dort zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht. Aktuell unter anderem das Projekt „Säen und Ernten – auf Wegen sozialer und ökologischer Verantwortung zu Einkommensalternativen – urbane Landwirtschaft in Nordostbrasilien“. Lohoff hält einen dicken Stapel Papier – die Antragsunterlagen – hoch, die inzwischen zum Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf den Weg gebracht wurden. Übrigens mit Unterstützung der Eperanerin Maria Detert, die als Agraringenieurin in Brasilien wirkt. Einen Teil der Gelder muss der Aktionskreise selbst für die Projekte aufbringen, damit Maßnahmen von anderen mitfinanziert werden. Daher wird der Aktionskreis auch weiterhin auf seine Sammlung von Textilien, aber auch auf Spenden setzen. Daneben soll auch künftig die Öffentlichkeitsarbeit in Schulen und anderen Einrichtungen fortgesetzt werden, um die Menschen weiter für die Arbeit zu sensibilisieren.

Ein neuer Schwerpunkt wird zudem die Anwerbung junger Mitstreiter sein, weil dem Aktionskreis - wie viele andere Vereine auch – die Überalterung droht. Ansprechen wollen Wigger, Lohoff und ihre Freunde vor allem junge Priester, um so Kontakte zu Pfarreien zu intensivieren. Alles, um die Arbeit Pater Bedas fortzusetzen – ganz nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“ 

Westfälische Nachrichten

01.11.2015

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