Jahresbericht Turma do Flau Recife für das Jahr 2009

Bericht über die Tätigkeiten der TURMA DO FLAU während des Jahres 2009

 

Für jede Tätigkeit in unserem Zentrum versuchen wir, wenn möglich, die für uns bedeutungsvollsten Zeichen aufzuzeigen, die uns auf dem prophetischen Weg unserer Turma do Flau geführt und geprägt haben. Dadurch möchten wir mit unseren Partnern sowie mit unseren Schwestern und Brüdern im Glauben die immer weiter wachsende Arbeit unseres Projekts auf den unterschiedlichsten Gebieten teilen.

 

In dieser Einführung wollen wir nun einige Ergebnisse, die wir während unserer Tätigkeiten im Jahre 2009 erzielt haben, besonders hervorheben:

 

Im Einklang mit dem Thema der Kampagne der Brüderlichkeit des vergangenen Jahres, die zum Thema „Brüderlichkeit und öffentliche Sicherheit“ hatte und unter dem Motto „Der Friede ist Frucht der Gerechtigkeit“ stand, begannen wir wohlgemut mit unseren Aktivitäten und unseren neuen Praktikanten.

Wie es bei uns üblich ist, führten wir zuerst eine Sitzung mit allen Mitarbeitern zur Auswertung und zur Planung unserer Tätigkeiten durch. Dabei vertieften wir durch Gebete und in offenen Gesprächen das Thema der Kampagne der Brüderlichkeit und versuchten Maßnahmen aufzuzeigen, die öffentliche Sicherheit und eine bessere Lebensqualität der minderbemittelten Bevölkerungsschicht garantieren können. Bei diesem Gedankenaustausch tauchte ein für uns gemeinsam zu erreichendes Ziel auf, das uns im Jahre 2009 in unserer Einrichtung lenken sollte: Mit Glaube und Realitätsbewusstsein die Brüderlichkeit und den Frieden als Frucht der Gerechtigkeit unter uns lebendig zu machen und unseren Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit und zur Entstehung einer Kultur des Friedens zu leisten.

 

In der ersten Woche des Monats Januar trafen wir uns mit unseren Kindern und Jugendlichen, um zusammen mit ihnen Aktivitäten zu planen, die während der Schulzeit laufen sollten: Eine Feier zum Fest der Hl. Dreikönige, ein Wortgottesdienst auf unserer Kleinfarm, eine Filmvorführung „Kino Zuhause“, Wettbewerbe mit Geschicklich-keitsspielen, Bibelgespräche mit Jugendlichen, Arbeiten in unserem Gemeinschafts-garten auf unserer Kleinfarm, Vollversammlungen, die Einübung von Tänzen und Liedern mit Schlaginstrumenten, Hausbesuche, Neuaufnahmen von Kindern und Jugendlichen in die Turma do Flau und in die Grundschule, sowie eine wirksamere Präsenz unsrerseits unter den Familien, die früher am Rande von Brasília Teimosa in Pfahlbauten gelebt hatten und in den Stadtteil Cordeiro umgesiedelt wurden und die Katechese ihrer Kinder. Bei diesem Vorbereitungsgespräch zeigten sich unsere Kinder und Jugendlichen überraschenderweise äußerst interessiert und machten bei all dem, was wir vorher geplant hatten, aktiv mit.

 

Wir realisierten auch einige Verlosungen (Bingos) um Mittel für Ausflüge mit unseren Kindern und Jugendlichen aufzubringen.

Im vergangenen Jahr setzten wir folgende Prioritäten:

-Der Gedankenaustausch mit partnerschaftlichen Einrichtungen über den Aufbau einer Kultur des Friedens.

-Die Hervorhebung der Wichtigkeit einer aktiven Teilnahme der Angehörigen unserer Kinder und Jugendlichen bei unseren Einsätzen zur Schaffung von besseren Lebensverhältnissen in unserer Ortsgemeinde.

-Der Ansporn zu einer regeren Teilnahme der Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien und der Erzieher an den Eucharistiefeiern in unserer Pfarrkirche.

-Die Vermittlung von erweiterten Kenntnissen über den christlichen Glauben bei unseren Erziehern.

 

Im Februar nahmen wir an der Gedenkfeier zum hundertsten Geburtstag von Dom Helder Camara teil. Dabei konnten wir spüren, dass die kirchlichen Basisgemeinden immer noch seine Ideale in Ehren halten.Dieses Ideale stehen auch stark im Zusammenhang mit unserer Richtschnur, sich für ein besseres Leben einzusetzen und dabei unter der armen Bevölkerung präsent zu sein, um zu evangelisieren und die prophetische Verkündigung „Denn ich mache alle Dinge neu!“ lebendig werden zu lassen. Bei der Gedenkfeier bat man um eine Minute der Stille und sicher hat während dieser Zeit, Gott zu vielen der Anwesenden gesprochen.

 

Da die Karnevalszeit immer näher heranrückte, wurden die Proben zur Aufführung des Maracatus mehr und mehr verstärkt. Bei dieser Gelegenheit zog die Turma do Flau mit Plakaten mit dem Thema „Der Friede beginnt bei Dir“ durch die Strassen unseres Stadtviertels. Dabei ging es uns darum, den Menschen unseres Viertels die Augen über die Gewaltakte, die hier geschehen, zu öffnen und sie nachdenklich zu stimmen, damit eventuelle Lösungen gefunden werden könnten. Sie sollten auch erkennen, dass es wichtig ist, die richtigen Werte in der Familie zu leben und ihr eigenes Verantwortungsbewusstsein zu vergrößern. Dabei wiesen wir auch auf die Unart hin, sich während der Mahlzeiten vors Fernsehen zu setzen, anstatt sich gemeinsam an den Tisch zu begeben, wo auch die Gelegenheit zu einem familiären Gespräch gegeben ist.

 

Am Aschermittwoch nahmen wir an der Eröffnungsfeier für den Beginn der Kampagne der Brüderlichkeit in unserer Pfarrkirche teil und danach ging es zu einer ähnlichen Veranstaltung in unserem Zentrum. Dabei lasen wir mit unseren Kindern und Jugendlichen Texte über das Thema und vertieften sie mit ihnen durch Gespräche. Wir gedachten in dieser Stunde auch den Jugendlichen, die früher bei uns mitgemacht hatten und durch Gewalttaten ums Leben gekommen waren.

 

Im März veranstalteten wir mit den von uns betreuten Kindern und Jugendlichen eine Auswertung mit den Fragen: Was hat euch hierher gebracht? Woher kommt ihr? Was hat euch dazu motiviert, bei uns mitzumachen? Wie stellt ihr euch eure Zukunft vor?

Hier folgen nun einige Antworten unserer Kinder und Jugendlichen auf die oben gestellten Fragen:

-Wir sind hier, weil wir daran glauben, dass wir etwas Besseres aus unserem Leben machen können.

-Wir haben Verpflichtungen übernommen, die wir einhalten möchten.

-Weil ich alles was ich mache, gerne mache und daran glaube.

-Weil ich daran glaube, dass der Mensch sich ändern kann.

-Die finanzielle Seite zählt viel, denn wir sind arm und haben Bedürfnisse. Aber das ist nicht genug, denn ich glaube an diese Arbeit.

-Was mich motiviert, ist die Hoffnung.

-Wir kommen aus ein und derselben Wirklichkeit der Armut, der Gewalt und der Ungleichheit. Aber nähren uns alle von der Hoffnung und von dem Glauben, dass wir einen Gott haben.

 

Während dieses Treffens gedachten wir auch unseres uns lieb gewordenen Priesters Padre Ramiro. Er wurde in der Nähe seiner Wohnung von einem Jugendlichen umgebracht, der ihn überfallen wollte. Er hatte uns in den Anfängen unserer Arbeit mit der Turma do Flau dazu angeregt, Eis am Stil herzustellen und zu verkaufen. Obwohl die Tageszeitungen berichteten, dass es ein Überfall gewesen wäre, ist diese Version noch nicht ganz abgeklärt. Denn er machte eine Sozialarbeit, die vielen Leuten, auch Leuten der Mittelklasse, ein Dorn im Auge gewesen ist. Aber Gott wird uns die Wahrheit darüber zeigen und nur die Gerechtigkeit wird den wahren Frieden hervorbringen. Padre Ramiro, wir werden dafür sorgen, dass dein Einsatz weitergeht!

 

Wir erhielten vom Bundeszollamt für Importe Produkte, die den Einführungsbestimmungen nicht entsprachen, wie Spielzeug, elektronische Geräte, Kosmetikartikel und Stoffe. Damit veranstalten wir im April einen Bazar mit dessen Erlös wir eine (elektrische) Wasserpumpe für unsere Kleinfarm kauften und den Erhalt unseres Brunnens garantieren konnten. Vorher hatten wir mit allen die die Turma do Flau ausmachen ein Gespräch über die zweckmäßigste Verwendung des Erlöses des Bazars. Alle stimmten zu, dass er unserer Kleinfarm zugute kommen sollte, da wir aus ihr unser Gemüse und unsere Früchte zur gesunden Ernährung unserer Kinder und Jugendlichen holen. Da würde auch eine bessere Bewässerung unseres Gartens eine große Hilfe sein. Dazu kommt noch, dass wir mit Hilfe der Pumpe genug reines Trinkwasser für alle Teilnehmer unserer Einrichtung fördern könnten. Außerdem suchen uns immer wieder junge Leute auf, die von den Drogen loskommen wollen, für sie bietet sich unsere Kleinfarm gerade als Arbeits- und Entwöhnungsfeld an. Der Bazar erbrachte in Mitarbeit mit einigen Jugendlichen und ihrer Mütter umgerechnet über 800 Euro ein und so konnten wir mit den von uns vorgesehenen Neuerungen auf unserer Kleinfarm beginnen.

 

Anfang Mai baten wir die Mütter zweier unserer Kinder um Mithilfe auf unserer Farm. Auch kamen wir der Bitte eines jungen Mannes namens André, der der Drogenwelt entgehen wollte, nach und ließen ihn auch dort arbeiten. Er half bei der Anpflanzung von Weideland und bei dem Bau eines Stacheldrahtzauns für unsere Schafe.

Da der vorherige Bazar gute Ergebnisse gebracht hatte, starteten wir am ersten Mai einen zweiten Bazar. Diesmal sollte der Erlös für Werkstätten zum Erlernen von Volkstänzen verwendet werden. Unsere Zielgruppe waren dabei vor allem Jugendliche, die vom Alkohol und von „leichten“ und „schweren“ Drogen loskommen wollten. Viele davon werden wegen ihrer Schulden bei den Händlern mit dem Tode bedroht. Da uns immer wieder solche gefährdeten junge Menschen aufsuchen, schließen wir daraus, dass sie daran glauben, dass wir ihnen helfen können.

Bei dem Verkauf der Sachen auf dem Bazar mussten wir die Leute auf die Herkunft dieser Produkte aufmerksam machen. Zu einem besseren Verständnis darüber, wozu sie nur benutzt werden können, versahen wir die Schachteln mit dem Aufdruck „Nur zum persönlichen Gebrauch!“

 

Auf dem Bazar konnten diesmal auch Angehörige unserer Kinder und Jugendlichen sowie Leute aus unserer Ortsgemeinde ihre selbst gemachten Produkte anbieten. Mütter und Mädchen erhielten dadurch die Gelegenheit Artikel aus Recyclingmaterial und aus den Stoffen, die wir vom Bundeszollamt für Importe erhalten hatten, zu verkaufen. Wir spürten dabei, wie diese Menschen die Erfahrung machen konnten, wie wichtig es ist, sich mit ihrem persönlichen und kreativen Einsatz einbringen zu können.

Dieser zweite Bazar brachte umgerechnet etwas über 1.000,00 € ein. Damit konnten wir die Werkstätten für kulturelle Veranstaltungen durchführen und gefährdeten Jugendlichen zu einer beruflichen Qualifizierung und zu einer besseren Zukunft verhelfen. Zur Leitung dieses dreimonatigen Projekts hatte sich der von uns allen geschätzte Mika Silva gemeldet.

 

Im Monat Mai veranstalteten wir mit unseren Kindern und Jugendlichen Andachten zur Ehre unserer Gottesmutter Maria und der Mutter aller Mütter. Wir nahmen in dieser Zeit auch an den Rosenkranzgebeten in unserer Pfarrkirche teil. Außerdem übernahmen wir die liturgische und musikalische Gestaltung der Messe am vierten Sonntag des Monats.

Am 24. Mai mobilisierten wir uns alle für die Wahl der Mitglieder des Kinder –und Jugendschutzrates. Aber gegen 11 Uhr morgens erhielten wir leider die Nachricht, dass die Wahl aus technischen Problemen an den elektronischen Wahlurnen und wegen eines Fehlers bezüglich der Zahl der eingeschriebenen Kandidaten verschoben worden war. Den Monat Mai schlossen wir mit einer zufrieden stellenden Auswertungssitzung und mit einer Prozessionzu Ehren Marias durch die Strassen von Brasilia Teimosa ab. Damit wollten wir ihr unseren Dank dafür zeigen, dass sie uns bisher immer gut „auf den Wegen unseres Lebens“ begleitet hatte.

 

Im Juli, während der Schulferien, beschäftigten wir unsere Kinder und Jugendlichen mit vielerlei Freizeitgestaltungen wieFußballturniere,Wettbewerbe in Seilspringen und anderen Gemeinschaftsspielen. Aber diesmal dauerten die Ferien nicht sehr lange, da die Lehrer während der Schulzeit zur Forderung einer besseren Entlohnung gestreikt hatten und der versäumte Unterricht nachgeholt werden musste. Diesmal konnten wir auch keinen Ausflug zu unserer Farm machen, da wegen der starken Regenfälle die Strassen unbefahrbar geworden waren. Trotzdem konnten wir aber das Gemüse und die Früchte, die dort wachsen, ernten und unseren Kindern und Jugendlichen als gesunde und alternative Nahrung zukommen lassen.

 

Im Jahr 2009 konnten wir übrigens mehr Orangen pflücken als in den vergangenen Jahren. Diesmal erbrachte die Ernte mehr als 10tausend Apfelsinen, die wir an die Teilnehmer der Turma do Flau, an bedürftige Familien der Insel „Ilha de Deus“und des Stadtteils Cordeiro weitergaben.

Im vergangenen Jahr beschlossen wir auch, den Versuch zu machen, auf unserer Kleinfarm Schafe zu züchten, deren Fleisch zur Bereicherung der Ernährung unserer Kinder und Jugendlichen dienen sollte. Dazu begannen wir mit 13 Schafen und zwei Böcken. Mittlerweile sind es 23 und immer wieder kommen neue Lämmer zur Welt. So ist unsere Herde bereits stattlich angewachsen.

 

Ende Juli hatten wir die Freude mit dem Projekt „Spielerisch künstlerisch tätig zu werden“ bedacht zu werden. Es wurde von dem Bezirksrat für die Rechte und die Förderung von Kindern und Jugendlichen (COMDICA) betriebenund dauerte vom 29. Juli 2009 bis zum 29. Januar 2010. Der Rat der Stadt Recife stellte dafür eine Summe von umgerechnet 12.000 € zur Verfügung. Dabei ging es darum, die Reigen und andere Tanzkreisspiele im Zusammenhang mit der geschichtlichen Entwicklung von Brasilia Teimosa der Vergessenheit zu entreißen. Dieses Projekt steuerte unter anderem zu einer persönlichen Reifung unserer Erzieher bei. Außerdem konnten sie sich dabei auch mehr Zeit nehmen, um sich den Kindern und Jugendlichen besser widmen zu können. Dadurch konnten sie auch verhindern, dass einige davon eventuell zu Opfern des Drogenmissbrauches geworden wären. Die Leiterin dieses Projektes ist Vanessa Suruagy gewesen und ihr zur Seite standen die Erzieher Enedino Moreira, Carlinhos Nação und Jaciara Alves.

Hierbei kam es auch zu Gesprächskreisen mit den Müttern unserer Kinder. Im Folgenden geben wir einige ihrer Aussagen wieder:

-Bis ich neun Jahre alt wurde, durfte ich noch spielen. Als ich zehn wurde, musste ich arbeiten gehen. Mein Vater meinte dazu, dass es nichts brächte, die Zeit mit Spielen zu vergeuden.

-Zur Schule konnte ich erst gehen, als wir in die Stadt umgezogen waren. Ich hörte erst mit 12 Jahren auf zu spielen, da meine Mutter meine Hilfe brauchte. Heute fällt mir besonders auf, dass es bei vielen Spielen der Kinder zu Gewaltakten kommt.

-Als ich zur Schule kam, war ich noch ganz verspielt und strengte mich auch nicht an, etwas zu lernen. Heute fühle ich mich diskriminiert, wenn ich dazu aufgefordert werde, irgendein Dokument unterschreiben zu müssen.

-Eine der anwesenden Mütter verhielt sich ganz still. Als sie nach ihrer Kindheit gefragt wurde, gab sie zur Antwort: Ich ziehe es vor, nicht über etwas zu sprechen, was ich nie gehabt habe. Diese Aussage verbreitete ein Klima der Bedrückung unter den Teilnehmerinnen dieses Gesprächskreises.

-Unsere Zeit schien uns viel zu kurz, und wir wollten unsere Kindheit gut ausnutzen. Aber die Zeit verging schneller als wir dachten, und bald waren wir groß genug, um arbeiten zu können.

-Meine Großmutter wollte nicht, dass ich weiter zur Schule ginge, da ich den Hausnamen „Praga“ (Landplage, Fluch) hatte und man würde mich damit hänseln. Darüber war ich sehr traurig. Mit zehn verließ ich die Schule, um Geld zu verdienen und um damit meine Großmutter unterstützen zu können. Mein Sohn hat heute alles, was ich früher nicht gehabt hatte, trotzdem nutzt er diese Gelegenheit nicht.

-Ich konnte erst mit elf Jahren zur Schule gehen und das nur, weil ich selbst für die Aufnahme sorgte. Aber ich habe mich kaum angestrengt und fast nichts gelernt. Vor drei Jahren habe ich an einem durch die Turma do Flau organisierten Alphabetisierungskursus teilgenommen. Nach meiner Heirat kamen zuerst die eigenen Kinder und dann die Enkel. Und heute kann ich das machen, was ich nicht zur richtigen Zeit machen konnte.

-Ich bin im Hinterland aufgewachsen. Es war ein ruhiges und abgeschiedenes Leben. Ich machte mir selbst mein eigenes Spielzeug. In der Töpferei meines Onkels holte ich mir dafür den Lehm und fertigte daraus kleine Töpfe und Ziegel. So lernte ich als Kind „spielend“ einen Haushalt zu führen und Kinder zu baden. Wenn ich vom Unterricht nach Hause kam, musste ich auf unserem Acker oder im Haus mithelfen. Ich erinnere mich noch gut an die steilen Abhänge der Kaffee-, Mais-, und Bohnenplantagen, die wir als Kinder hoch und herunter kraxeln mussten. Meine Puppen machte ich mir aus grünen Maiskolben.

-Die Familie meiner Eltern kam aus dem Hinterland. Unser Spielzeug bestand aus leeren Streichholzschachteln und alten Deodorantflaschen. Trotz meines strengen Vaters verbrachte ich meine Kindheit mehr oder weniger gut. Und ich kann sagen, dass ich wirklich Kind gewesen bin. Und heute bin ich es noch mit meinen eigenen Kindern. Ich glaube, dass alle Menschen stark genug sein müssen, um ihre Arme auszubreiten, um den Hauch des Windes spüren und um sich so frei fühlen zu können, als wenn sie fliegen könnten. Ich bin eine Mutter, die im Leben ihrer Kinder als eine gute Freundin anwesend ist. Ich möchte auch nie richtig erwachsen werden, denn darin sehe eine Gefahr.

Im Jahre 2009 konnten wir auch einen Traum verwirklichen, den wir schon lange gehabt hatten. Schwester Aurieta und Schwester Graça wurden in die Gefängnisseelsorge aufgenommen und dürfen jetzt die Insassen des Gefängnisses Anibal Bruno besuchen. Dort trafen sie auch auf ehemalige Teilnehmer unserer Turma do Flau und Menschen, die aus Brasilia Teimosa stammen. Bei diesen Besuchen kommt es oft zu Tränen, aber dabei wird auch neue Hoffnung gepflanzt. Denn viele Gefangene bitten darum, ihre Prozesse via Internet zu überprüfen oder dass wir mit ihren Angehörigen Kontakt aufnehmen. Durch unsere Besuche wollen wir sie auch in ihrem Glauben stärken.

 

In der Zeit vom 16. August bis zum 9. September war Denise in Deutschland und vom 10. bis zum 30. September Schwester Aurieta. Beide begleiteten Jugendliche aus der Escola Saber von der Insel „Ilha de Deus“ und aus dem Projekt „Nosso Lar“ in Juazeiro do Norte. Bei dieser Gelegenheit konnten sie allen Interessierten ihre sozialen Tätigkeiten vorstellen, die vom Kindermissionswerk und vom Aktionskreis Pater Beda unterstützt werden. Für uns war das eine sehr reiche Zeit, da wir die Gelegenheit hatten, uns mit Freunden zu treffen und mit ihnen über unsere Kämpfe, Einsätze und Vorstellungen zu sprechen.

 

Im Oktober fanden einige Veranstaltungen besonders für unsere Kinder statt. Das Bezirksbüro für Sozialpolitik ermöglichte unseren Kindern von sieben bis dreizehn Jahren die Teilnahme an einem Fest im Sportzentrum Geraldão in Recife. Und gab unseren Jugendlichen von 14 und 15 Jahren die Gelegenheit zum Vergnügungspark „Playstation“.

Mit den anderen Kindern bis zu fünf Jahren veranstalteten wir selbst ein Fest mit verschiedenen Geselligkeitsspielen am Sitz der Turma do Flau. Der Monat schloss mit einem Ausflug aller Kinder und Jugendlichen zu unserer Kleinfarm. Dazu begleiteten uns auch einige Mütter, da mehr als hundert Teilnehmer unterwegs waren. Bei diesem Besuch hatten alle die Gelegenheit, unsere kleinen Lämmer und die Schönheit der dortigen Natur zu bewundern.

 

Am 28. Oktober feierten wir das 27-jährige Bestehen der Turma do Flau. Wir erinnerten dabei ganz besonders an Momente, die unsere Geschichte stark mitgeprägt hatten, und an die Freunde, die uns in hellen und in dunklen Tagen begleitet haben. Auch wurde die Gründerin Schwester Aurieta mit einer Beschreibung ihres Lebens und ihrer Mission unter und mit den Ausgeschlossenen von Brasilia Teimosa geehrt.

 

Im November verstärkten wir unsere Kampagne zur Errichtung einer Filiale der Turma do Flau im Stadtteil Cordeiro, wohin die ehemaligen Pfahlbaubewohner von Brasilia Teimosa umgesiedelt wurden. Damit hoffen wir, eine noch bessere Arbeit unter diesen bedürftigen Menschen leisten zu können. Zu diesem Zweck stellten wir eine Kommission aus der Direktion der Turma do Flau, aus Bewohnern von Cordeiro und Freunden von Brasilia Teimosa zusammen. Sie traf sich dann auch mit dem Bezirkssekretär für Wohnungsbauplanung. Und es scheint so, dass bald die notwendigen Maßnahmen zum Bau des Gebäudes für unsere Filiale getroffen werden.

 

In dieser Zeit begleiteten wir auch das Projekt zur Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner der Insel „Ilha de Deus“. Bei Besuchen in der Schule und in den Häusern der vom Projekt betroffenen Familien spürte man die Sorge darum, ob die für den Bau von neuen Häusern vorgesehenen staatlichen Subventionen richtig eingesetzt würden oder nicht. Andere wiederum gaben ihre Angst darüber zum Ausdruck, all das verlieren zu können, was sie sich während eines ganzen Lebens aufgebaut hatten. Einige freuen sich aber schon darauf, in ein besseres Haus übersiedeln zu können. Wir machten darauf aufmerksam, dass die Führungskräfte der Bürgerinitiativen wachsam jeden Schritt dieses Projekts der Sanierung durch die Stadtverwaltung mitverfolgen müssen.

 

Ein sehr schmerzliches Ereignis war für uns der Tod unseres jungen Freundes Gleybson André. Man schoss verschiedene Male auf ihn und es gelang noch, ihn ins Krankenhaus zu bringen. Dort starb er dann bald an den Folgen der Schussverletzungen.

 

Im Jahr 2009 widmeten wir uns besonders den ehemaligen Bewohnern der Pfahlbauten von Brasília Teimosa, die heute im Stadtviertel Cordeiro wohnen. Wir wollten ihnen nicht nur mit Nahrungsmitteln helfen, sondern ihnen auch Vertrauen und Hoffnung vermitteln, in dem wir ihnen besser zuhörten, ihre Sorgen und Nöte mit ihnen teilten und uns in besonderer Weise um ihre Kleinkinder kümmerten. Denn wir glauben daran, dass bessere Tage für sie kommen werden.

 

Anfang Dezember haben wir kräftig für die Aufführung unseres Krippenspiels geübt. Denn damit bringen unsere Kinder viel Freude in Kinderhorte, Schulen und verschiedene andere Einrichtungen. Auch viele Eltern nahmen an diesen Aufführungen teil, um ihre Kinder in Aktion zu sehen und Beifall zu klatschen. Leider konnten wir nicht allen Einladungen nachkommen, da unseren Kindern und Jugendlichen ja auch noch Zeit für die Schulaufgaben bleiben sollte.

 

Recife, den 30. Dezember 2009

Maria Aurieta Duarte Xenofonte

Leiterin der Turma do Flau