Einsatz für Menschenrechte auch für Häftlinge in brasilianischen Gefängnissen

Im Gespräch mit Häftlingen im Untersuchungsgefängnis in Crato
Im Gespräch mit Häftlingen im Untersuchungsgefängnis in Crato

Hermano als Rechtsanwalt und als vorsitzender Fachanwalt für Menschenrechtsfragen des Rechtsanwaltverbandes Brasiliens (OAB) setzt sich darüber hinaus auch für die Rechte der Menschen im Gefängnis von Crato und auf der großen Mülldeponie der Stadt ein.

In Brasilien sind alle Gefängnisse vollkommen überbelegt und es ist deutlich zu erkennen, dass die meisten Gefangenen aus einer bestimmten Gesellschaftsschicht kommen. Die Gefangenen sind meist zwischen 17 und 27 Jahren, dunkelhäutig und überwiegend aus Elendsvierteln.

In den großen Gefängnissen des Landes herrscht eine brutale Drogenmafia, zu denen auch viele korrupte Polizisten gehören. Viele der jungen Männer und Frauen sind traumatisiert und haben resigniert. Nach jahrelanger Haft haben sie wenig Chancen auf ein besseres Leben. Sie bleiben in ihrem kriminellen Milieu verstrickt und machen da weiter wo sie aufgehört haben. Die Gefängnisse werden deshalb auch in Brasilien als Schulen der Gewalt bezeichnet. Von Resozialisierung ist nirgends etwas zu sehen.

Das Gefängnis in Crato hat Plätze für 50 Menschen. Allerdings sind momentan 182 Menschen (stand 2013) in diesem Gefängnis inhaftiert davon sind 164 Männer und 18 Frauen im Alter von 18 bis 60 Jahren. Allein an diesen Zahlen kann man sich vorstellen wie es in diesem Gefängnis zu gehen muss. Die Zellen sind vollkommen überfüllt.

Die Mehrzahl der Gefangenen ist drogenabhängig und kommen zwangsläufig auf Entzug und verhalten sich dadurch verwirrt und aggressiv. In einem engen Raum führt das zu großen Schwierigkeiten. Viele sind in Haft schon ums Leben gekommen.

Viele Prozesse der Gefangenen liegen Jahre auf irgendwelchen Schreibtischen in den Gerichten. Hermano fordert zusammen mit den Häftlingen, die Prozesse kurzfristig zu führen.

Hermano im Frauengefängnis
Hermano im Frauengefängnis

Als Rechtsanwalt und Menschenrechtler forderte Hermano gleich den örtlichen Richter auf, sich diese Situation anzuschauen. Heute setzt er sich nach wie vor dafür ein, dass die Gefangenen dreimal am Tag eine vernünftige Mahlzeit bekommen. Dies ist in den Gefängnissen in Brasilien keine Selbstverständlichkeit. Weiter organisiert Hermano Kunsthandwerksprojekte für die Männer und Frauen. So lernen die Frauen z.B. wie man Puppen näht und die dazu passende Mini-Kleidung. Die Männer lernen aus Eistielen 60 cm lange Schiffe zu basteln. Oder auch aus Resten von Plastikflaschen Spielautos herzustellen.

Hier geht es darum, die Männer und Frauen aus ihrem tristen Alltag im Gefängnis herauszuholen, ihnen die Chance zu geben, durchatmen und nachdenken zu können. Ohne diese kleinen Projekte sind die Insassen 24 Stunden, 7 Tage die Woche in ihren engen Zellen, ohne jede Beschäftigung.

 

Hermano beschreibt oft, dass er gerade bei den Frauen sieht, wie wichtig so eine Aktivität ist. Sie seien sehr impulsiv und können sich schwieriger unter Kontrolle halten. Schon oft sei es zu massiven handgreiflichen Konflikten gekommen. Viele der Frauen haben Kinder zuhause, bei denen sie nicht sein können. Gleichzeitig kommt die Angst hinzu, verlassen und vergessen zu werden. Sie haben andere Ängste als die Männer sagt Hermano, weil sie meistens eine weitreichende Verantwortung tragen.

Blick in die neuen Gefängniszellen
Blick in die neuen Gefängniszellen

2009 forderte er, dass ein neues Gefängnis erbaut werden sollte, in dem es mehr Platz, Freigang und Bewegungsfreiheit für die Inhaftierten geben sollte. Dieses wurde im Oktober 2012 mit 127 Plätzen fertig gestellt und mit Freilauf für die Insassen, mit Basketballkorb und Fußballfeld-Markierungen auf dem Boden und Extraräume für Unterricht eröffnet. Dennoch gibt es auch in diesem Gefängnis erneut menschenrechtsverletzende Zustände, die er mit aller Kraft zu bekämpfen versucht.

 

Bis hierhin hat Hermano schon viel geschafft für die Würde und Rechte der fast vergessenen Menschen. Dennoch gibt es weiterhin viel zu tun.