Rundbrief von Jan Kleine Büning

Auszug aus einem Rundbrief von Jan Kleine Büning aus Haltern, der seinen Friedensdienst im Projekt Nova Vida in Nordost-Brasilien leistet: (21.Februar 2003)

An einigen Tagen habe ich mit der Direktorin Hausbesuche gemacht. Diese Hausbesuche sind mit das Erschreckendste und gleichzeitig Interessanteste gewesen, was ich in meiner Zeit in Brasilien erlebt habe. Ich glaubte die Armut der Leute schon zu kennen, doch habe beim Besichtigen der Häuser noch eine ganz andere Realität erlebt.

Viele der Häuser - wenn man die aus Draht, Holz, Zement und Lehm errichteten Hütten überhaupt so nennen kann - haben keine Badezimmer. Die Toiletten der Menschen sind Plastiktüten, die einfach auf die Strasse geschmissen werden und in der Hitze unerträgliche Gerüche verursachen.

  • Hausbau beim Projekt Nova Vida in Crato

Ich habe Häuser gesehen, in denen sechs Kinder in einem Bett schlafen oder ein Gartenschlauch im freien als Dusche, Toilette, Küche und Waschkammer zugleich dient. Dass man das brasilianische Leitungswasser nicht trinken kann ist allgemein bekannt, doch möchte man sich mit der grünen Brühe, die aus manchen Wasserhähnen kommt, nicht einmal abduschen.
Diese Hausbesuche haben mir nicht nur fürchterliche Armut gezeigt und das Gefühl verstärkt, dass hier endlich etwas geschehen muss, sondern mir auch in Bezug auf meine Arbeit geholfen. Da ich die familiären und häuslichen Situationen der Kinder kennengelernt habe, kann ich in Zukunft gewisse Agressionen und Fehlverhalten einzelner besser verstehen. Ausserdem weiss ich jetzt warum so viele Kinder im Projekt Angst vor der Toilette haben: Sie haben zu Hause keine und im Projekt zum ersten Mal ein richtiges Bad benutzt.

Die Arbeit am Nachmittag wurde regulär Anfang Februar aufgenommen. In der ersten Woche hat das Projekt einen Mann bestellt, der den Kindern die Herstellung von Ledersandalen, die als Schlüsselanhänger dienen sollen, gezeigt hat. Eine Gruppe von zehn Jungen im Alter von elf bis dreizehn Jahren stellt nun diese Sandalen her. Wir schicken sie nach Deutschland an den Aktionskreis Pater Beda. Sie werden verkauft und der Erlös geht an die Kinder des Projekts....
......Von Mittwochs bis Freitags arbeite ich in der Werkstatt. Mit fünfzehn Jugendlichen im Alter von vierzehn bis siebzehn Jahren stelle ich Kinderschaukeln und pädagogische Spiel aus Holz her. Wir verkaufen diese Produkte an andere Projekte, Schulen und Kindergärten. Der Erlös wird unter den Jugendlichen aufgeteilt. Die Arbeit ist sehr anstrengend, da ich immer Vorbereitungen für meine Kurse treffen muss und alleine Verantwortung für die Schüler trage. Doch es ist ein gutes Gefühl seine eigenen Aufgaben und somit auch Freiheiten zu haben.

21.Februar 2003

Schöne Grüsse und alles Gute
Euer Jan