Die Escola Creche Santa Clara de Assis im Casa Franciscana in Itaporanga setzt sich zum Ziel, Entfaltungs- und Lernräume für Kinder aus sozial benachteiligten Kontexten zu schaffen. Dabei werden auch Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen in das Projekt integriert und von geschultem Fachpersonal begleitet. Die Vermittlung von Werten im gesellschaftlichen Miteinander, eine fundierte Vor- und Grundschulausbildung sowie eine intensive Elternarbeit stellen die Grundpfeiler der Arbeit dar. Neben den formalen Bildungsangeboten, erhalten die Kinder über kulturelle Angebote, Möglichkeiten zur freien Entwicklung ihrer Persönlichkeit und Entdeckung ihrer Talente. Innerhalb der Gemeinschaft werden Werte wie Verantwortung, ein respektvoller und liebevoller Umgang mit den Mitmenschen und allen Bestandteilen der Schöpfung gelebt. Diese Chancen werden insbesondere Kindern aus Armenvierteln und ländlichen Randgebieten erteilt, die aufgrund der prekären infrastrukturellen Bedingungen und der sozialen Benachteiligung ihrer Familien keine oder nur unzureichende Bildungsmöglichkeiten erhalten. Neben der konkreten Bildungsarbeit werden Projekte für eine nachhaltige und ganzheitliche Unterstützung der Familien etabliert, z.B. die Installation produktiver Gärten in Zusammenarbeit mit dem Sekretariat für Landwirtschaft und Umwelt der Stadt Itaporanga. Über verschiedene Aktionen und Veranstaltungen, wie zum Beispiel Wanderungen und Umweltaktionen sowie die Ausrichtung gemeinschaftlicher Feste werden die Familien und das Viertel rund um die Schule im Zentrum der Stadt im Sinne von Gemeinschaft statt Ausgrenzung integriert.

Die Stadt Itaporanga zählt etwa 24.300 Einwohner und liegt im Westen des Bundesstaates Paraiba, 420 km von der küstennahen Hauptstadt João Pessoa entfernt. Paraiba grenzt an die Bundesstaaten Rio Grande do Norte, Ceará und Pernambuco und gehört zu den bevölkerungsreicheren brasilianischen Bundesstaaten. Während das Klima an der Küste tropisch ist, zeigt sich im Landesinneren semiarides Klima. Drei Viertel der Bevölkerung leben in den urbanen Zentren des Bundesstaates. Die Wirtschaft basiert vor allem auf der landwirtschaftlichen Produktion von Zuckerrohr, Ananas, Maniok, Mais und Bohnen, einer industriellen Nahrungsmittel-, Textil- und Ethanolherstellung sowie auf Tierzucht und Tourismus. In den vergangenen Jahren weist Paraiba einen extremen Zuwachs an Kriminalität auf. Steigende Mordraten und zunehmende Gewalt spiegeln sich in den Statistiken wieder: So sprang Paraiba von Platz 21 der brasilianischen Bundesstaaten auf Platz 3 bezüglich der Anzahl von Morden pro 100.000 Einwohner. Gewalt und Kriminalität sowie Drogen und Alkohol gehören auch zu den Problematiken, die benachteiligte Familien in Itaporanga betreffen. Die Kinder in der Creche e Escola Santa Clara de Assis stammen aus zerrütteten Familienverhältnissen und wachsen inmitten von Armut und Perspektivlosigkeit auf. Mit der Gründung des Kindergartens und der Schule vor 25 Jahren setzte die Vorsitzende Anatalia Martins Vieira ein Zeichen für Menschlichkeit und Perspektivschaffung. So stellt die Schule für zahlreiche Bewohner Itaporangas einen Neuanfang und eine einmalige Chance dar. Anatalia Martins Vieira gehört dem Ordem Franciscana Secular an, und setzt sich seit ihrer Jugend für notleidende Menschen ein und setzt dabei vor allem auf die Vermittlung von Bildung und Werten. Mittlerweile sind 12 Lehrkräfte in der Schule beschäftigt. Neben der Vermittlung von Fertigkeiten und Wissen, fühlen die Lehrkräfte sich insbesondere für die Schaffung einer gemeinschaftlichen Atmosphäre verantwortlich. Oftmals stellen sie wichtige, konstante Bezugspersonen dar, die stets ein offenes Ohr für die Probleme, Ängste und Sorgen der Kinder haben. So gibt es neben den Unterrichtsräumen ein Gemeinschaftszentrum, einen Schlafsaal,  eine Kunstwerkstatt, ein Andachtszimmer sowie einen gemeinschaftlichen Garten und Spiel- und Freizeiträume.

Aktivitäten, Konkretes, Lösungsansätze

Die Escola Creche Santa Clara de Assis fungiert als Vor- und Primarschule mit integriertem Kindergarten und ermöglicht Kindern aus sozial benachteiligten Kontexten verschiedene Angebote von Grundbildung und non-formaler Bildung. Insgesamt werden aktuell 90 Kinder und ihre Familien betreut. Über die Verarbeitung von recycelbarem Material zu Kunstgegenständen werden die Kinder in Umweltfragen sensibilisiert. Die Kunstgegenstände werden zu bestimmten Anlässen ausgestellt und an die Gemeinde verkauft. Weitere kulturelle Angebote und Veranstaltungen tragen zur Persönlichkeitsentfaltung der Kinder bei. Gerade Projektteilnehmende aus familiär instabilen Verhältnissen erfahren hier ein förderliches, kontinuierliches und selbstwertstärkendes Lebensumfeld. Innerhalb der Alltags- und Tagesstrukturierung erhalten alle Kinder die Möglichkeit zu gemeinsamen Mahlzeiten. Vor allem die jüngeren Kinder haben die Möglichkeit, sich für Ruhe- und Erholungsphasen zurückzuziehen und eine Mittagspause einzuhalten. Im Rahmen des Projektes Aqui tem Produção no Quintal (Hier gibt es einen produktiven Garten) über das Sekretariat für Landwirtschaft und Umwelt in Itaporanga wurde auf dem Gelände der Schule ein produktiver Garten errichtet. Dieser dient zum einen der Umweltbildung der Kinder sowie als Beitrag für eine gesunde und ökologische Ernährung. Zum anderen bildet der Garten Ausgangspunkt für ein Projekt zur Installation produktiver Gärten innerhalb der Familien der im Projekt teilnehmenden Kinder. Intensive Elternarbeit, regelmäßige Elternabende und  Familienbesuche zielen darauf ab, die gesamte Familie in die Projektbemühungen einzubeziehen und langfristige Verbesserungen für die Situation der Kinder zu erreichen.