Caras do Brasil - Gesichter Brasiliens

Auffuehrung Caras do BrasilRiesige Resonanz auf Pater Bedas Kinder- und Ausbildungsprojekt in Brasilien

Karlstein-Großwelzheim. »Es lohnt sich anzupacken in der Welt - egal wo«, sagte Pater Beda am Mittwochabend in der Bayernhalle. Die etwa 650 Gäste wollten mit ihrem Besuch bei einem konkreten Punkt anpacken - dem Kinderdorf- und Ausbildungsprojekt »Cidade da
Crianca« in der Nähe von Salvador.
Caras do Brasil
Elf Jugendliche gastierten zusammen mit ihrer Leiterin Ivonita Alves, um mit Tänzen, Musik und Rollenspielen Dank für die bisher geleistete Unterstützung aus Karlstein zu sagen und ihr Land vorzustellen. Am 2. Mai ist die Gruppe aus Brasilien in Frankfurt gelandet, seit dem 5. Mai ist das Ensemble bislang vor 12000 Menschen aufgetreten. Das Programm »Gesichter Brasiliens«, das in rund 90 Minuten präsentiert wird, bietet ein beeindruckendes Zeugnis afro-brasilianischer Kultur.

Zwischen den Darbietungen stellte Pater Beda das vor 24 Jahren von Pater Alfons gegründete Projekt im Nordosten Brasiliens vor. Bereits vor 49 Jahren wurde Beda dorthin geschickt. Der blutjunge und traurige Mann dachte im Flugzeug: »Beda, was wirst du arm in deinem Leben!« In der Bayernhalle verkündete ein sichtlich bewegter und stolzer Pater: »Heute seht ihr meinen Reichtum!«

In seinem Vortrag verschwieg er die vielen Schattenseiten des Landes nicht. Brasilien ist nach Kolumbien das Land mit der höchsten Gewaltkriminalität und das zweitgrößte Land der Welt mit Schwarzen. In der Millionenstadt Salvador da Bahia, in deren Nähe das Kinderdorf lebt, sind heute noch an den Hauswänden eingemauerte Ketten zu sehen, an denen die afrikanischen Sklaven angekettet waren. Es gibt laut Beda »ein Volk an der Macht und ein Volk am Rande« und ohne Rechte.

»Ein Weg zur Rettung ist das Kinderdorf«, fuhr der Pater fort. 180 Kinder ab vier Jahren leben derzeit hier. Da Bildung »der Weg in die Zukunft ist«, werden Jugendliche zu Köchen oder Gärtnern ausgebildet. Außerdem verkauft man Gemüse, Brot, Eier und andere Erträge. »Projekte müssen an die eigene Zukunft denken, nicht nur auf Spenden warten«, bemerkte der Referent.

Ein wahres Feuerwerk entzündeten die elf Jugendlichen auf der Bühne. Auf Percussions-und Rhythmusinstrumenten, Gitarre, Trompete oder Querflöte musizierten die brasilianischen Gäste in unbändiger Spiellaune. Vor allem die rhythmusbetonten Stücke gipfelten immer wieder in ohrenbetäubenden Klangkaskaden.

In kleinen Szenen wurden Religion und Bräuche dargestellt, aber auch bitteres Alltagsgeschehen. Ein echter Augenschmaus war der Einzug der riesigen Standarten, die aufwändig mit Tieren, Musikinstrumenten oder Früchten verziert waren. Es folgte die szenische Umsetzung der Geburt Brasiliens. Drei Jugendliche personifizierten Amerika, Europa und Afrika, während mit mächtigen Klängen das Bahia-Lied ertönte.

Hartes Leben der Straßenkinder
»Realistisch, hart, aber treffend dargestellt« war laut Pater Beda die Straßenkinder-Szene. Während sich Jugendliche mit Musik und Jonglieren die Zeit vertreiben, erscheint ein Polizist, der die Gruppe mit harten Schlägen traktiert und ein junges Mädchen sexuell belästigt. Ebenso unter die Haut ging die Szene, in der ein Tourist ein Mädchen vergewaltigt. Eine Gruppe Jungen sucht danach im Müll nach Essbarem - derjenige, der etwas gefunden hat, wird von den anderen erbarmungslos beraubt und zusammengeschlagen. »Rette Brasilien« ist die Botschaft des Liedes, das zu diesen Spielszenen erklingt.

In prächtigen Gewändern stellen die jungen Frauen ihre Verehrung des wundertätigen Kreuzes dar, das die Portugiesen mitgebracht haben. In einem Wirbel aus fliegenden Stoffen, Haaren und auf dem Boden rasenden Füßen endet die beeindruckende Choreografie. Am Ende wird in riesigen Reifröcken der Capoeira, ein Befreiungstanz, aufgeführt. Der Makulele, ein Tanz mit Schlagstöcken, den die Schwarzen laut Pater Beda oft auf ihrem Rücken gespürt haben, wird mit Kraft, Aggression, aber auch Lebensfreude umgesetzt.

Freunde gefunden
Zum Schluss folgt ein Samba, der schönste Tanz. Danach brandet Riesenbeifall in der Bayernhalle auf. Der Dank von Bürgermeister Winfried Bruder und Pfarrer Franz Kraft galt Gerhard Heßberger, der das Projekt ausfindig gemacht und mit großem Engagement vorgestellt hat. »Das ist ein großer Impuls für die Gemeinde«, lobte Kraft. Der Rathauschef erließ die Hallengebühr und sagte zu Pater Beda: »Sie haben heute Abend Freunde gefunden.« Außerdem verriet er, dass die Gruppe am 6. Juni Gast des brasilianischen Fußball-Nationalteams in Königstein ist.

Eine Spende in Höhe von 1500 Euro übergaben die Großwelzheimer Altpapiersammler an Pater Beda. Weitere Spenden kamen vom Altenclub »Seerose«, der Frauen-Union Karlstein, dem Wanderverein, der Katholischen Jugend und dem Kirchenchor aus Großwelzheim. Abgerundet wurde der Abend von einem Auftritt der Capoeira-Gruppe »Bantus« aus Aschaffenburg.

Doris Huhn (Main-Echo vom 29. Mai 06)