Ilha de Deus in Recife wird endlich saniert

März 2010.Auf der „Ilha de Deus“ (Insel Gottes) in Recife / Brasilien unterstützt der Aktionskreis Pater Beda das Sozialprojekt „Escola Saber Viver“ (Schule - das Leben lernen). Deshalb sind wir mit den dort lebenden Menschen und deren Problemen eng verbunden.

Zur Zeit erleben die Bewohner der Insel einen enormen Wandel wie noch nie in ihrem Leben. Die Landesregierung des brasilianischen Bundeslandes Pernambuco und die Verwaltung der Stadt Recife habenein Programm aufgelegt, um das Leben der Bewohner dieser Favela (Slumgebiet) menschenwürdig zu gestalten.

Die Menschen hatten ja vor über 20 Jahren begonnen, sich illegal auf dieser Schwemmsandinsel, die von Mangroven bewachsen war, Hütten als ihre Behausung zu errichten. Als Baumaterial nahmen sie Abfallholz und –bretter, vielleicht Platten aus Plastik oder Eternit. Die Hütten am Rande der Insel wurden auf Pfählen errichtet (Pallafittas). Sie hatten anfangs natürlich kein Trinkwasser und keinen elektrischen Strom. Eine feste Verbindung zum Festland gab es nicht. Zunächst lebten sie kärglich vom Fischfang, später kamen Krebs- und Muschelzucht hinzu.

Hauptzweck des Programmes ist es, die notdürftigen Hütten zu beseitigen und durch feste ein- oder zweistöckige Häuser aus Ziegelsteinen zu ersetzen, um den Bewohnern die Grundlage für ein menschenwürdiges Leben zu verschaffen. Die vorhandenen öffentlichen Gebäude werden erhalten und verbessert, das gilt auch für das Gebäude von „Saber viver“.

Die Arbeiten hatten vor ca. einem Jahr begonnen, d.h. die provisorische, wackelige Stegbrücke wurde durch eine stabile Betonbrücke ersetzt, die sogar von Autos bis zu einem Wendekreis auf der Insel befahren werden kann. In einem zweiten Schritt wird um den bewohnten Teil der Insel eine Art Kaimauer gezogen, damit bei den Tiden (Ebbe und Flut) das Hochwasser nicht mehr ungehindert die Siedlung überfluten kann. Die Arbeiten schreiten gut voran. Parallel dazu hat auch schon der dritte und wichtigste Teil der Arbeiten begonnen. Die ersten Hütten im Norden der Insel sind bereits abgerissen und der Bau der ersten Häuser soll bald beginnen. Die dortigen Bewohner sind in der Zwischenzeit zu Freunden, Verwandten oder in Mietwohnungen auf das Festland gezogen. Unter den verbliebenen herrscht natürlich große Besorgnis, wie es wohl mit ihnen weitergehen soll. In einem vierten Schritt werden dann auf dem südlichen Teil der Insel die Hütten durch Häuser ersetzt. Die Siedlung wird gemäß der Planung vonoffenen Straßen durchzogen und schmucke Häuser haben. Das Dorf bleibt dem Autoverkehr verschlossen. Außer der traditionellen, aber wenig einträglichen Krabben- und Muschelzucht werden wohl neue Arbeitsplätze in einem geplanten Einkaufszentrum in der Nähe entstehen.

Besonders die öffentlichen Bauten, so auch das Schulgebäude von „Saber viver“ werden erhalten, aber erheblich restauriert und erweitert. Das gilt auch für die alte Bäckerei des Sozialzentrums. Bei diesem und auch bei anderen Projekten legen die Politiker Wert auf schnelle sichtbare Erfolge, denn im nächsten Jahr sind die großen Wahlen, besonders die Präsidentschaftswahl.

 

Die Leiterin des Projektes „Saber viver“ Nalvinha (sprich: Nauvinja)will auch während der Erneuerungsmaßnahmen auf keinen Fall die Insel verlassen. Deshalb baut sie sich eine provisorische Hütte, die später wieder abgerissen werden soll. Ihre Anwesenheit auf der Insel ist für die Bewohner wichtig. Schließlich ist sie ja auch die gewählte Bürgersprecherin (Bürgermeisterin).

 

 

 

 

Nalvinhas jüngster Bruder Novo („der Jüngste“) unterstützt seine Schwester sehr. Dreimal wöchentlich trainiert er mit verschiedenen Altersgruppen Fußball. Um den Sportplatz hat man eine Mauer gezogen, damit nur niemand mehr auf die Idee kommt, hier ein privates Wohnhaus zu errichten. Mit seinen Jungen (und weniger Mädchen) betreibt er auch Umweltschutz, indem Plastikflaschen gesammelt werden. Und sonst macht er mit ihnen Musik, natürlich Percussion. Dazu singen die Kinder selbstgedichtete Texte zum Leben auf der Insel.

Äußerst erfolgreich war die Zusammenarbeit mit einem der drei großen Fußballclubs von Recife, Nautico. Normalerweise hat ein solcher Club eine Fußballschule, für deren Besuch die Schüler zahlen. Für die Kinder von „Saber viver“ ist die Teilnahme kostenlos. Und dabei wurden von den 10 Schülern der Ilha immerhin 9 in das Haupttraining übernommen.

 

 

 

Novo (2. von rechts)mit seinen Jungen und Mädchen. Soeben hatte er die Kinder gefragt:„Wer möchte, dass P. Beda wieder hierher kommt?“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

März 2010

Text und Fotos:

Reinhard Smolka, Lingen/Ems