Der Traum von Li wird wahr

Elizângela da Silva, 26 J., genannt Lí, ist für drei Monate Gast beim Aktionskreis Pater Beda.

Als Lí erst fünf Jahre alt war, hat Pater Beda sie im Kinder- und Jugendförderprojekt von Schwester Aurieta auf der Ilha de Deus in Recife kennen gelernt. Li gräbt im Schlamm nach MuschelnDas war nun vor 21 Jahren, aber der Kontakt ist über die gesamte Zeit nicht abgebrochen. Am 8. März 2006 landete Lí gemeinsam mit Pater Beda und weiteren deutschen Reisebegleitern auf dem Flughafen Münster/Osnabrück und wird nun bis zum 6. Juni 2006 die Arbeit des Aktionskreises kennen lernen und begleiten.

Elizângela sucht Muscheln bei Ebbe in der Nähe ihrer Hütte auf der Ilha de Deus (Jan. 1985) Aber, auch wir versprechen uns viel von dieser anderen Art der Partnerbegegnung. Sind es bereits oft Sänger, Künstler oder Projektleiter gewesen, die in Deutschland von ihren Tätigkeiten in Brasilien berichteten, so kommt mit Lí nun eine Zeitzeugin aus einem der schlimmsten Elendsvierteln Brasiliens.

Lí lebt auf einer Insel zwischen zwei Flüssen, die einige Hundert Meter flussabwärts in den Atlantik münden. Dort leben gut 2500 Menschen auf engstem Raum, vergessen von den Behörden, ein Leben geprägt von Elend, Drogen, Gewalt, Schmutz, Arbeitslosigkeit, Hunger und Verwahrlosung.Die Insel zwischen zwei Flüssen
Erst durch den Einsatz von Schwester Aurieta und ihren Mitstreitern kam die Flussinsel in den achtziger Jahren wieder zurück auf die Landkarte. Alle leben vom Fischfang und Miesmuschelnverkauf.
Ein langwieriger Kampf um die Rechte der Einwohner begann. Die Leute organisierten sich, gründeten den Einwohnerrat und bauten mit der Hilfe von Spenden aus Deutschland ihr Schul- und Berufsförderprojekt „Centro Educacional Popular Saber Viver“, dass nun schon über 20 Jahre alt ist. Lí unterrichtet dort ehrenamtlich und versucht mit den Mitarbeitern das Gesicht der Insel zu verändern.
Die Schule der Insel
Das Mitarbeiterteam der Schule fördert insgesamt über 200 Kinder und Jugendliche durch einer Vielzahl von Aktivitäten: Kleinkinder werden im Kindergarten betreut. Jugendliche lernen das Bäckerhandwerk. Andere fertigen Besen, Wassereis, Kunsthandwerk und Strickwaren, die verkauft werden, um den Familien zu helfen. Alle besuchen die staatliche Regelschule und wo nötig, wird Nachhilfe erteilt. Kunst, Kultur, Musik und Sport sind weitere, wichtige Bestandteile der Projektaktivitäten. Es gibt sogar eine gut organisierte Fußballmannschaft.
Die Freude am Fußball war auch für Lí die Kraft um durchzuhalten, so stellte sie auch diese Mannschaft zusammen.
Die Pädagogen und Erzieher sind sehr engagiert, wohl wissend, dass es für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen aus so armen Verhältnissen sehr wichtig ist, dass sie Betreuung, Zuwendung und Bildungschancen erhalten, damit sie nicht auf derm Strasse landen.

Flussinsel Ilha de Deus/Recife
Wenn Lí anfängt zu erzählen, hören wir andere Geschichten, die man sonst nicht erfährt. Hier bekommt der Kampf ums Überleben in der harten Welt des Elendsviertels ein Gesicht. Insbesondere leiden die Frauen. Sie werden gebraucht und missbraucht, auch schon die jungen Mädchen. Von sexuellem Missbrauch, besonders in der eigenen Familie, sind ein Großteil der Mädchen betroffen. Sie werden zeitlebens mit diesen schrecklichen Erfahrungen leben müssen.

Lí erzählt von einer 23-jährigen, jungen Frau, ihrer Freundin Fernanda. Sie wurde bereits zweimal gegen ihren Willen schwanger, die beiden Kinder sind heute vier und sechs Jahre alt. Als sie jetzt wieder schwanger wurde, von einem Mann, den sie hasst, hat sie das Kind abgetrieben. Man kann auf illegalen Märkten Abtreibungstabletten kaufen, die jedoch umgerechnet über 40,00 € kosten. Für die meisten unerschwinglich.Der Steg: Einziger Zugang zur Insel
Abgesehen von den großen Gesundheitsrisiken hat diese junge Frau die Tabletten genommen, leider hatte sie erst das Geld zusammen, als sie schon im fünften Monat schwanger war. Auf der Brücke zur Insel kam das tote Kind dann fast heraus. Lí hat ihr geholfen wieder ins Haus zurück zu kehren. Später hat die Freundin die Totgeburt im Flussschlamm vergraben. Das ist auch in Brasilien illegal, Lí müsste sie anzeigen, aber ....
Nachts hat die Mutter das Kind weinen gehört, noch ein weiteres Trauma für diese Frauen.

Der Steg ist der einziger Zugang zur Insel

Weihnachten auf der Insel mit Pater BedaUnd deshalb ist die Arbeit des von uns geförderten Schul- und Berufsförderprojektes auf der Ilha de Deus so wichtig. Der Aktionskreis engagiert sich hier seit über zwanzig Jahren. Kinder, Jugendliche und auch Mütter werden im Projekt betreut und erfahren ihre Würde. Dadurch fühlen sie sich gefestigt und bestärkt die Probleme anzugehen, um ihr hartes Leben zu meistern.



Weihnachten 2005:
Nach dem Gottesdienst auf der Ilha de Deus feiern die Freunde (rechts Lí) den 71. Geburtstag von Pater Beda.