Infos aus den Projekten

Hier: Gemeinschaft der Kleinen Propheten, Recife:

 

Wieder zurück in Recife gehen meine Sorgen in Beziehung der Landesregierung von Pernambuco weiter. Wie ich schon berichtete, begann unsere Partnerschaft mit der Landesregierung im Jahre 2010 auf Bitten unseres Gouverneurs Eduardo Campos.

Die Partnerschaft basierte auf die Unterstützung unseres Betreuungshauses für Straßenkinder im Zentrum der Stadt und die Wiedereröffnung unserer Kleinfarm mit Entgiftung und integrierter Förderung für die Crack- und Drogenabhängigen und mit dem Tod bedrohte Jugendliche durch Gruppen der Todesschwadron.

 

Um sich ein Bild vom Funktionieren dieser Partnerschaft machen zu können, hier einige Zahlen: Im Jahre 2011 konnten wir in unserem Haus in der Stadt 1.465 Kinder und Jugendliche und auf unserer Kleinfarm 300 junge Menschen von der Straße holen und betreuen. Dazu kam noch das indirekt betreute Publikum aus Ortsteilen mit großen Elendsvierteln.

 

Trotz der geringen Zuschüsse von der Regierung für unser Projekt, konnten wir sehr befriedigende Ergebnisse erzielen. Das weckte ein wenig Eifersucht und Neid von Seiten der Teams aus den Sozialämtern des Landes Pernambuco.

Diese Leute haben keinen direkten Kontakt mit dem Ministerpräsidenten, aber wenn unser Projekt, das ja alternativ ist, aus der Zivilgesellschaft bessere Ergebnisse mit wenig Geld erzielt und wenn das Projekt des Staates mit viel Geld keine Ergebnisse erreicht, muss da irgendwo etwas falsch laufen. Und es ist für sie einfacher mit dem was gut funktioniert aufzuhören auf Kosten dessen, was nicht funktioniert, aber politische Ämter garantiert.

 

Das wird der Grund sein, dass die Finanzierung zu Beginn diesen Jahres nicht erneuert wurde.

Da begannen wir mit der Kampagne für eine internationale Unterstützung, wo wir auch Hilfe von Euch bekamen. Hier wurde davon gesprochen, dass wir für den Staat einen neuen Vorschlag unterbreiten sollten.

Die Monate März, April und Mai wurden vom BMZ, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aus Deutschland, durch das Projekt „Recht auf Leben“ bezahlt, um das Projekt auf dem Gebiet der Menschenrechte nicht in seinen Ergebnissen in Mitleidenschaft geraten zu lassen.

 

Wir legten den neuen Vorschlag vor, was sehr schwierig war, aber wir waren die einzigen, deren Projekt genehmigt wurde.

 

Jetzt im Juni 2012 sollte das Geld für die Finanzierung des Projekts durch die Landesregierung schon auf unserem Bankkonto sein, aber bis jetzt hat sich in dieser Hinsicht noch nichts getan. Ich bin dann zur o.g. Fachstelle im Sozialsekretariat des Landes Pernambuco gegangen. Und dort in der Rechtsabteilung merkte ich, dass unser schon genehmigtes Projekt mit der Zahlungsermächtigung unter vielen anderen Projekten lag und dass aber der Vertrag noch nicht in den Computer aufgenommen wurde. Ich sprach darauf mit dem Verantwortlichen, der zeigte sich aber nicht interessiert daran, den Prozess zu beschleunigen.

 

Dann ging ich zur Sekretärin Rizete Costa (eine Verwandte eines örtlichen Politikers). Beim Gespräch mit ihr wurde deutlich, dass unsere Landesregierung nur an Zahlen interessiert ist und nicht daran, ein wahres Bürgersein für die zu fördern, die es brauchen. Es wurde auch deutlich, dass sie die von dem deutschen Ministerium bezahlten Monate nicht zurückerstatten wollen. Und sie sind auch nicht daran interessiert, die Zahl der von uns im Projekt Betreuten zu erhöhen. Die Frau sagte mir, dass ich selbst für die Unkosten aufkommen müsste, wenn ich mehr als 20 Betreute in unserem Projekt hätte. Als wenn ich eine Art Apartheid durchführen müsste, beziehungsweise 20 Betreute auswählen und die anderen auf die Strasse setzen müsste. Zur Zeit sind es 70 junge Menschen, die wir dort auf der Farm betreuen.

 

Meine Situation als Koordinator des Projekts ist bitter, denn ich muss Mittel bei anderen Quellen suchen, selbst wenn ich weiß, dass unser Staat über Mittel verfügt, aber kein Interesse an Aktionen und Ergebnisse hat, die durch unser Projekt die lokale Gesellschaft begünstigt, das wahre Bürgersein für Kinder und Jugendliche garantiert, den Hunger von Kindern stillt und eine psychosoziale Betreuung vermittelt, damit die von uns Betreuten dadurch ihre Rechte als Bürger wahrnehmen können.

 

Jetzt habe ich auch Zweifel, ob der Ministerpräsident Eduardo Campos wirklich weiß, was bei uns passiert und eine Ahnung von dem ganzen Druck hat, mit dem unsere Aktion geschwächt wird, dann bald keine Kraft mehr haben wird und dass wir dann unsere Türen schließen müssen.

Gestern veröffentlichte eine hiesige Tageszeitung, dass unser Ministerpräsident Eduardo Campos am 25. Juni 2012 bei der UNO in New York einen Preis vom Generalsekretär der UNO Ban Ki Moon wegen des von seinem Großvater Miguel Arraes geschaffenen Sozialprojekt „Strohhut“ erhalten wird. Nun bin ich dabei, unter meinen Kontakten jemanden zu finden, der ihn dort am Sitz der UNO über unsere Situation hier befragen könnte.

 

Hier in Recife ist es unmöglich mit Eduardo Campos in persönlichen Kontakt zu kommen. Er ist der mächtigste Mann des Bundesstaates und so abgeschirmt, dass ich keine Chance habe und nicht einmal eine Audienz mit ihm festmachen kann. Gleichzeitig sind da noch die Leute vom Sekretariat für soziale Entwicklung und Menschenrechte, die den Kontakt verhindern.

Unser Bundesstaat erhielt von der brasilianischen Bundesregierung Haushaltsgelder in Millionenhöhe für das Programm der Bekämpfung des Crack, deshalb können sie nicht einfach sagen, dass der Bundesstaat kein Geld hat.

Kann es denn wirklich so sein, dass die Fußballweltmeisterschaft Brasiliens größte Priorität ist, wenn es auf der anderen Seite so viele Menschen in extremen Schwierigkeiten gibt?

 

Bis bald !!!

Demetrius Demétrio