Die Escola São Tiago setzt sich in einem destruktivem Umfeld von Gewalt und Kriminalität für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ein. Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren aus bildungsfernen, sozial benachteiligten und von Gewalt und Kriminalität betroffenen Familien im Viertel Bairro Dos Novais im Westen von João Pessoa wird eine Chance auf Bildungsgerechtigkeit noch vor dem Eintritt in die Grundschule ermöglicht. Die Kinder wachsen in der Regel bei sehr jungen, alleinerziehenden Müttern, Großeltern oder anderen Verwandten auf, da die Elternteile der Erziehungsarbeit aus verschiedenen Gründen oftmals nicht nachkommen können. Inmitten von direkter Gewalt, tätlichen Übergriffen, Drogendelikten und Fällen schwerer Körperverletzung legt die Organisation ihren Fokus darauf, Kindern eine alternative Realität mit besseren Perspektiven zu eröffnen. Zentral sind dabei folgende wesentliche Aspekte: Die Kinder treten bereits mit grundlegenden Fertigkeiten in den Bereichen Lesen und Schreiben in die Grundschule ein. Sie verfügen über sozial kompetente Verhaltensweisen, die es ihnen ermöglichen, sich angemessen in den Klassenverbund der öffentlichen Grundschule zu integrieren. Dazu zählen die Bearbeitung von Verhaltensauffälligkeiten und der angemessene Umgang mit Emotionen. Der Erwerb dieser Fähigkeiten vollzieht sich in einem geschützten Raum, der den Kindern gleichzeitig als Ort für freie Entfaltung von Persönlichkeit und Entdeckung eigener Talente zur Verfügung steht und ihnen eine alternative Realität gegenüber von Kriminalität und Gewalt bietet. Nach dem Abschluss der Vorschule übergeben die Leiterin Francisca Sousa da Silva und ihre pädagogische Mitarbeiterin die, aus sozialen und familiären Hintergründen resultierenden Defizite der Schülerinnen und Schüler an die zuständigen Mitarbeiter der öffentlichen Grundschule weiter. Die enge Zusammenarbeit mit der öffentlichen Grundschule im Einzugsgebiet des Stadtviertels gewährleistet eine bestmögliche weitere Förderung und Begleitung der Kinder im brasilianischen Schulsystem.

Fakten, Region & Entstehung, Einbettung, Sinn-Zweck-Zusammenhang

Der Lebensalltag im Viertel Bairro dos Novais in der westlichen Peripherie der Bundehauptstadt Joao Pessoa ist gekennzeichnet durch Armut, massive Gewalt und Kriminalität innerhalb des Viertels, die auch in den familiären Strukturen spürbar ist. Tätliche Angriffe, schwere Körperverletzung, Drogenkriminalität und Drohungen stehen an der Tagesordnung. Aufgrund der hohen Kriminalität und der Perspektivarmut verlassen viele Elternteile das Viertel, sind selbst in Kriminalität involviert oder sitzen Haftstrafen ab, was dazu führt, dass elterliche Pflichten vernachlässigt werden. Die Kinder wachsen bei Verwandten und wechselnden Bezugspersonen auf, die den Erziehungsaufgaben nicht kontinuierlich nachkommen können. Diese Diskontinuität in den familiären Strukturen wirkt sich auf die emotionale und psychische Entwicklung der Kinder aus. Der Mangel an erfolgreichen Vorbildern und die gelebte Gewalt und Kriminalität auf den Straßen des Viertels führen dazu, dass Kinder und Jugendliche in die Alltagskriminalität einbezogen werden und das Schicksal ihrer Eltern wiederholen. Die infrastrukturelle und soziale Situation in der Peripherie steht im Kontrast zur Entwicklung der Bundeshauptstadt in Bezug auf die allgemeinen Indizes von Wachstum und Lebensqualität. João Pessoa ist als Hauptstadt des Bundesstaates Paraiba an der Küste gelegen und zählt mit etwa 780.738 Einwohner zu den acht größten Städten der Großregion Nordosten. Als östlichste Stadt Südamerikas gehört Paraiba zu den ältesten Städten Brasiliens. Die Küstenstadt verfügt über weite Strandabschnitte und profitiert aufgrund ihrer geographischen Gegebenheiten sowie der vorhandenen Infrastruktur stark vom Tourismus. Auch über den Tourismus hinaus stellt Joao Pessoa das wirtschaftliche Zentrum des Bundesstaates dar. Insgesamt wird der Stadt ein hoher Lebensstandard zugeschrieben. Mit dem steigenden Wachstum haben jedoch auch die Kriminalitätsraten zugenommen, was sich in steigenden Mordraten sowie der steigenden Anzahl tätlicher Angriffe, Überfälle und Drogendelikte spiegelt. Gewalt und Kriminalität sowie Drogen und Alkohol gehören zu den Problematiken, die vor allem die Peripherien betreffen.


Aktivitäten, Konkretes, Lösungsansätze

Zur Unterbrechung des Kreislaufs von Kriminalität und Perspektivlosigkeit setzt die Escola São Tiago sich am westlichen Rand João Pessoas im Stadtviertel Bairro dos Novais für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ein. Die Schule versorgt 26 Kinder zwischen drei und fünf Jahren vormittags mit frühkindlicher und vorschulischer Bildung im Rahmen der Stufen maternal, jardim 1 und jardim 2. Die Erziehungsberechtigten werden von den Pädagoginnen der Escola São Tiago unterstützt und erhalten in enger Zusammenarbeit Rückmeldungen zur Entwicklung ihrer Kinder sowie Hilfe in Bezug auf Erziehungsfragen sowie die Inanspruchnahme professioneller Hilfe. Dabei werden vor allem Auffälligkeiten im Verhalten, in Bezug auf die Emotionsregulation und die kognitive Entwicklung eingehend beobachtet und thematisiert. Das Pädagogische Personal der Einrichtung steht Müttern und Familien zur regelmäßigen Beratung zur Verfügung und bemüht sich um einen ganzheitlichen Einbezug der Familien in die Projektarbeit. Kinder mit psychischen, emotionalen oder im Verhalten deutlich werdenden Auffälligkeiten werden frühzeitig an professionelle Unterstützung vermittelt. Eine enge Kooperation mit der Grundschule im Einzugsgebiet des Viertels gewährleistet die Kontinuität der notwendigen Betreuung und Unterstützung von Kindern aus benachteiligten Familien. Kern der Arbeit bilden die Alphabetisierung und der Erwerb von Grundfähigkeiten (Zeichnen, Schreiben, Rechnen) sowie die Schulung sozialer Umgangsformen. Ziel ist es, die Chancen der Kinder aus dem Projektumfeld bei Eintritt in die reguläre Schule zu erhöhen. Eine Chancengleichheit soll im Sinne der sozialen und gesellschaftlichen Integration sowie in Bezug auf den Ausgangspunkt der zu erwerbenden Grundfertigkeiten gegeben sein. Die Organisation bietet zudem über freiwillige Helfer und Helferinnen spezifische Kurse an, die die Kinder und ihre Familien in Bezug auf die Förderung von Kreativität und kindgerechtem Spielen schulen. Die Vermittlung von Werten, das Training des Konfliktverhaltens und die Stärkung des Selbstwertgefühls spielen dabei eine zentrale Rolle. Mit der Erweiterung der Realität der Kinder im Stadtviertel um ein förderliches und kindgerechtes Umfeld bietet die Escola São Tiago eine Alternative zu einer Zukunft inmitten von Kriminalität und Drogen.