„Er ist immer noch bei uns“

Seit über 40 Jahren engagiert sich Udo Lohoff für die Aktion Pater Beda

Von Petra Diek-Münchow

Vor gut einem Jahr ist Pater Beda gestorben. Aber für Udo Lohoff ist der Franziskanerpater noch sehr präsent. „Ich spüre, dass er mich begleitet“, sagt der Geschäftsführer des Aktionskreises. In diesen Wochen ist Lohoff wieder für den Verein unterwegs, in Brasilien.

Udo Lohoff blickt fast energisch auf die Besucher. „Wir wollen eine Partnerschaft auf Augenhöhe, habt ihr das verstanden?“ Kurze Pause. „Das haben wir von Pater Beda gelernt“, sagt der 55-Jährige. Und klickt auf das nächste Foto in seiner Präsentation, das den im August 2015 verstorbenen Franziskanerpater zeigt. Inmitten einer Gruppe von Menschen, bei seiner Arbeit in Brasilien, wie immer mit einem heiteren Lächeln im Gesicht. Und so ein Lächeln fliegt jetzt auch über die Gesichter der Zuhörer, als sie die Aufnahme sehen. Man spürt genau: Das Charisma von Pater Beda ist ungebrochen.

„Ich wollte einfach mehr für Beda machen“

Von dieser Ausstrahlung könnte Udo Lohoff der Gruppe aus Hörstel, die einen Nachmittag im Kloster Bardel bei Bad Bentheim verbringt, viel erzählen. Denn Pater Beda ist sein großes Vorbild und war immer ein väterlicher Freund. Schon mit 13 Jahren lernt Lohoff den Ordensmann in seinem Heimatort Oeding im westlichen Münsterland kennen – bei einer der vielen Sammelaktionen, die der Franziskaner für Brasilien initiiert.

„Er konnte die Leute begeistern“, erinnert sich Udo Lohoff. „Und er hat uns das Gefühl gegeben, dass wir etwas bewegen können.“ Viel diskutiert er in jungen Jahren mit Beda: über Eine-Welt-Arbeit und soziale (Un)Gerechtigkeit, über Basisgemeinden und die Theologie der Befreiung, über gelebte Pastoral und die Einbindung der Laien. Noch heute beschäftigt ihn das, zum Beispiel als Mitglied der Bischöflichen Kommission Mission, Entwicklung und Frieden.

Die Verbindung zu dem Pater bleibt. Mit anderen jungen Leuten trifft sich Udo Lohoff in den siebziger Jahren „immer donnerstags“ in Bedas Büro in Bardel und hilft mit. Druckt Flugblätter, schreibt Texte, bereitet Ausstellungen vor. Hört viel von Brasilien und bekommt früh die Chance, das Land kennenzulernen. Mit 16 Jahren fliegt er das erste Mal hin, mit 22 Jahren noch einmal. Er macht eine lange Radtour durch mehrere Regionen und taucht dabei in das Leben der Menschen ein. Und natürlich engagiert er sich ab 1984 im Aktionskreis Pater Beda.

Brasilien lässt ihn nicht los, 1986 zieht der Oedinger dorthin. Fünf Jahre lebt er dort mit Frau und Kindern, arbeitet in seinem Beruf als Werbefotograf und als Ortskraft für die Konrad-Adenauer-Stiftung. „Da habe ich gelernt, wie man Geld beantragt und Projekte konzipiert“, sagt er mit einem Schmunzeln. Das kommt ihm nach seiner Rückkehr nach Deutschland zugute, denn seit 1992 arbeitet Lohoff hauptamtlich für den Aktionskreis. „Ich wollte unbedingt mehr für Beda machen.“

Und der Posten als Geschäftsführer ist kein ruhiger Job. Sitzungen am Abend, Vorträge am Wochenende, ein Abstecher zu einem Projektpartner während des Urlaubs sind keine Seltenheit. Richtig abschalten kann der 55-Jährige selten. Wird ihm das nicht zu viel? Tochter Melanie kommt ihm mit der Antwort zuvor. „Er lebt das einfach, genau wie wir alle.“ Denn die Lohoffs machen irgendwie irgendwo alle im Aktionskreis mit.

Was ihn dabei geprägt hat, waren seine Jahre und Aufenthalte in Brasilien. Das sagt er immer wieder. „Bestimmt 20-mal“ hat Lohoff das Land besucht, spricht fließend Portugiesisch, kennt sich in Politik und Gesellschaft gut aus. „Brasilien ist für mich kein fremdes Land. Die Menschen sind mir nah.“ In diesen Tagen kommt er von einer Reise zurück, bei der er sich Projekte vor Ort angesehen hat. 

Er will zeigen, wie die Hilfe aussehen kann

Wie sehr ihn das bewegt, spüren an diesem Nachmittag kurz vor der Abreise seine Zuhörer im Kloster Bardel. Er zeigt Bilder aus Brasilien: von Straßenkindern, von überfüllten Gefängnissen und von Menschen, die auf Müllhalden nach Nahrung suchen. Aber es gibt auch andere Fotos. Von neuen Gemeinschaftsgärten, die mehrere arme Familien versorgen. Von neuen Siedlungen. Von Kindern, die durch Schulbildung eine Chance erhalten. „Wir müssen die Leute befähigen, damit sie selbst aus dem Teufelskreis der Armut herauskommen“, sagt Udo Lohoff und schaut wieder eindringlich in die Runde. Seinen Zuhörern bewusst machen, wie das Leben hier und dort ist, wie wir helfen können – das ist ihm ganz wichtig.

Nach dem Vortrag führt der Geschäftsführer die Gäste zum Brasilien-Museum und zum Pater-Beda-Gedächtnisraum. Aufmerksam schauen sich die Gäste die Objekte, Zeitungsausschnitte, Zitate und Bilder an. An einer Wand hängt ein Gemälde von Beda. Als Udo Lohoff davor steht, wirkt es fast so, als stärke ihm der Franziskaner den Rücken. Fehlt er ihm? Lohoff schaut seine Tochter und seine Frau an. Nachdenklich schüttelt er den Kopf. „Nein, denn eigentlich habe ich nicht das Gefühl, dass er weg ist. Er ist immer noch bei uns. Ich spüre manchmal seine führende Hand. Und das ist gut so.“

Zur Sache

Hilfe für Brasilien und Haiti

Pater Beda hat 1963/64 seine Sammelaktionen zugunsten Brasiliens gestartet. Schnell weitete sich die Arbeit über viele Regionen aus. 1984 gründete sich der Aktionskreis. Ihm gehören heute über 330 Mitglieder an, über 550 Menschen fühlen sich der Initiative als Helfer und Unterstützer verbunden. Mit den Erlösen und Spenden werden soziale, pastorale und humanitäre Projekte in Brasilien, überwiegend im Nordosten des Landes, unterstützt. Heute geht es vor allem um Hilfe zur Selbsthilfe. In Haiti fördert der Verein außerdem ein Bildungszentrum mit Waisenhaus und Internat für Kinder und Jugendliche. Der Aktionskreis vermittelt und begleitet zudem Projektpartnerschaften für etwa 60 Schulen, Pfarreien und Eine-Welt-Gruppen.

Kirchenbote, Bistum Osnabrück,

13. November 2016

Die Arbeit geht weiter Pater Bedas Erbe:

„Jetzt erst recht“

Führen das Erbe von Pater Beda mit veränderten Strukturen fort: Bernward Wigger, Vorsitzender des Aktionskreises Pater Beda und Geschäftsführer Udo Lohoff. Foto: Klaus Wiedau

Gronau/Kloster Bardel - 

„Jetzt erst recht“ – auf diese kurze Formel lässt sich das Engagement verdichten, mit dem viele Freunde und Mitstreiter des im August verstorbenen Pater Beda aktuell daran arbeiten, die geleistete Arbeit zum Wohle der kleinen und vergessenen Menschen fortzusetzen.

Von Klaus Wiedau

„Jetzt erst recht“ – auf diese kurze Formel lässt sich das Engagement verdichten, mit dem viele Freunde und Mitstreiter des im August verstorbenen Pater Beda aktuell daran arbeiten, die über Jahrzehnte in Deutschland, aber auch in den Partnerprojekten in Brasilien geleistete Arbeit zum Wohle der kleinen und vergessenen Menschen fortzusetzen. Und somit das Erbe des Franziskanerpaters in die Zukunft zu tragen. Schon seit seiner Erkrankung, insbesondere aber nach seinem Tod sei immer wieder die Frage gestellt worden: „Wie geht es nun weiter?“, betonten jetzt der Vorsitzende des Aktionskreises Pater Beda, Bernward Wigger (Gronau) und Geschäftsführer Udo Lohoff in einem Gespräch mit den WN.

Als richtig und zielführend für die künftige Arbeit erweise sich heute, dass bereits vor Jahren wichtige Entscheidungen getroffen und Maßnahmen dafür eingeleitet worden seien. „Schon 2012 haben wir begonnen, diesen Stabwechsel zu organisieren“, macht Wigger deutlich. Pater Beda sei bis zuletzt als „Initiator und Motivator“ aktiv gewesen, habe sich aber bereits vor Jahren aus dem rein operativen Geschäft zurückgezogen, das er bei Lohoff als Geschäftsführer und Mitstreiter seit 20 Jahren in guten Händen wusste. Lohoff kennt nicht nur alle Vorgänge in Deutschland und Brasilien, er ist – gemeinsam mit seiner Frau Maria – auch der Motor, der die Arbeit des Aktionskreises unermüdlich lebendig hält.

Bernward Wigger wurde vor drei Jahren zum Vorsitzenden des Aktionskreises gewählt. An der Seite von Beda begleitete der Diplom-Finanzwirt jahrelang ehrenamtlich die Arbeit, insbesondere als fachkundiger Kassenwart sowie Steuer- und Finanzfachmann. Und diese strukturellen Veränderungen seien auch nötig gewesen, um den inzwischen komplett veränderten Rahmenbedingungen für die Arbeit Rechnung zu tragen, betonten Wigger und Lohoff. Wo vor Jahren noch ein vertrauensvolles Miteinander und die Zusammenarbeit auf Zuruf als Basis gereicht hätten, gelte es heute hohe Anforderungen an Transparenz, Mitteleinsatz und Dokumentation zu erfüllen. Verwaltungs- und Werbungskosten dürften nur einen bestimmten Level ausmachen, die Prüfung aller Vorgänge durch externe Wirtschaftsprüfer sei obligatorisch.

Um dieses hohe Niveau der eigenen Arbeit auch nach außen hin zu dokumentieren, sei die Zertifizierung mit dem DZI-Spendensiegel unerlässlich gewesen: „Das DZI für soziale Fragen hat uns 2015 bestätigt, dass wir mit den uns anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgehen“, so Udo Lohoff. Der Weg zu dieser Zertifizierung – der Prozess begann 2013 – war dabei kein Spaziergang: „Wir sind kein 08/15-Gebilde, sondern ein sehr komplexer Verein, unter anderem weil wir auch einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhalten“, so Wigger. Derartige Konstruktionen seien im Zertifizierungsprozess des DZI eher selten, daher habe das Institut hohe Anforderungen gestellt, die es zu erfüllen galt. Die Arbeit habe sich indes gelohnt. Lohoff: „Das Spendensiegel unterstreicht unsere Anstrengungen, die Arbeit des Aktionskreises Pater Beda umfassend und transparent darzustellen.“

Auch bei den Partnerprojekten in Brasilien wurde schon frühzeitig an die Zukunft gedacht: „Die 26 Partnerprojekte des Aktionskreises – mit zwei Ausnahmen alle im Nordosten Brasiliens gelegen – haben sich in den vergangenen Jahren zum Netzwerk SoliVida (Solidarität und Leben) zusammengeschlossen. Sie treffen sich heute regelmäßig um voneinander zu lernen und gemeinsam stärker in die Öffentlichkeit hineinzuwirken. Pater Beda hat also schon früh mit seinen Freunden in Brasilien einen Grundstein für die Fortsetzung der Arbeit gelegt“, so Wigger und Lohoff.

Mit Unterstützung aus Deutschland wurden und werden dort zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht. Aktuell unter anderem das Projekt „Säen und Ernten – auf Wegen sozialer und ökologischer Verantwortung zu Einkommensalternativen – urbane Landwirtschaft in Nordostbrasilien“. Lohoff hält einen dicken Stapel Papier – die Antragsunterlagen – hoch, die inzwischen zum Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf den Weg gebracht wurden. Übrigens mit Unterstützung der Eperanerin Maria Detert, die als Agraringenieurin in Brasilien wirkt. Einen Teil der Gelder muss der Aktionskreise selbst für die Projekte aufbringen, damit Maßnahmen von anderen mitfinanziert werden. Daher wird der Aktionskreis auch weiterhin auf seine Sammlung von Textilien, aber auch auf Spenden setzen. Daneben soll auch künftig die Öffentlichkeitsarbeit in Schulen und anderen Einrichtungen fortgesetzt werden, um die Menschen weiter für die Arbeit zu sensibilisieren.

Ein neuer Schwerpunkt wird zudem die Anwerbung junger Mitstreiter sein, weil dem Aktionskreis - wie viele andere Vereine auch – die Überalterung droht. Ansprechen wollen Wigger, Lohoff und ihre Freunde vor allem junge Priester, um so Kontakte zu Pfarreien zu intensivieren. Alles, um die Arbeit Pater Bedas fortzusetzen – ganz nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“ 

Westfälische Nachrichten

01.11.2015

Eine Abordnung des Katholischen Kaufmännischen Vereins (KKV) aus Gronau war am 27.8. zu Besuch im Kloster Bardel. Wie geht es weiter mit dem Aktionskreis Pater Beda und wie läuft die Arbeit, ein Jahr nach dem Tod von Pater Beda? Davon konnten sich genau 23 Mitglieder des Vereins nun sehr gut ein Bild machen. Nach dem Besuch auf dem Kloster-Friedhof und dem Kaffeetrinken gab der Geschäftsführer Udo Lohoff während eines Vortrages einen Einblick in die aktuelle Arbeit des Aktionskreises hier in Deutschland und auch gemeinsam mit den Partnerprojekten in Brasilien. Später wurde noch das neu eingerichtete Museum besucht mit dem "Pater Beda Gedächtnisraum" und alle nahmen um 18 Uhr an dem Vorabendgottesdienst in der Klosterkirche teil - siehe auch Fotos und Zeitungsartikel. Nach einmütiger Aussage der Teilnehmer, ein sehr informativer Nachmittag, mit der Erkenntnis, dass der Aktionskreis wirklich ein großes Netzwerk in Deutschland und Brasilien aufgebaut hat und sehr bemüht ist, unaufhörlich die Interessen der Armen zu vertreten.

Brasilien: Nun wird es schwieriger für die sozialen Bewegungen!

Aus unserer Sicht ist die Entscheidung gestern des Senats in Brasilien ein Angriff auf die Demokratie Brasiliens. Die Ankläger wollen vor allem von ihrem eigenen korrupten Verhalten in Wirtschaft und Politik ablenken.
Aus den Gesprächen mit unseren Partnern vor Ort, wird deutlich, dass es die sozialen Bewegungen nun wieder viel schwerer haben werden, bishin zur Kriminalisierung der sozialen Bewegungen. Bei dieser neuen Führung des Landes, die nun seit einem Tag an der Macht ist, wird es notwendig sein, dass unsere Freunde im Netzwerk SoliVida noch enger zusammenarbeiten, damit die Stimme der zu Unrecht verarmten Bevölkerung in Zukunft klar gehört wird.

Lesen Sie hierzu auch das aktuelle Interview mit Frei Betto, dass von heute.de veröffentlicht wurde. Wir sind auch ganz seiner Meinung.

http://www.heute.de/brasiliens-praesidentin-rousseff-abgesetzt-linker-vordenker-frei-betto-sieht-darin-einen-putsch-gegen-die-demokratie-45046992.html